Gerber fordert massive Entlastung bei Lohnstückkosten und Energie für Tiroler Betriebe; Bauwirtschaft zeigt erste Erholungssignale, Baubudget und Leistungen steigen; Wohnbau bleibt angespannt, Sanierungsquote zu niedrig.


Gerber fordert mehr Entlastung für Betriebe - tirol.ORF.at Likely publishing date: 2026-04-08

08.04.2026 13.11 Online seit heute, 13.11 Uhr

Gerber fordert mehr Entlastung für Betriebe

Tirols Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP) hat am Mittwoch einen „großen Wurf“ bei Lohnstückkosten sowie leistbarer Energie durch die ÖVP

NEOS-Bundesregierung gefordert. Er stehe im Austausch mit dem Wirtschaftsministerium und mahne umfassende Entlastungen statt „kleiner Schritte“ ein.

„Wir brauchen eine ganz klare Entlastung“, betonte Gerber bei der Präsentation einer Studie zur Bauwirtschaft.

Österreich sei bei den Arbeitskosten im Vergleich mit anderen europäischen Staaten „nicht mehr konkurrenzfähig“, erklärte Gerber bei dem Pressegespräch zu der Studie mit dem Titel „Tiroler Bauvorschau 2026“ von Wirtschaftskammer und Land in Innsbruck. Man müsse die Lohnstückkosten daher „auf ein verträgliches Niveau bringen“, damit Unternehmen wieder wettbewerbsfähiger würden, forderte der Landesrat. Neben den Arbeitskosten nannte er auch leistbare Energie als zentrales Thema, vor allem für Industriebetriebe. „Ich bin davon überzeugt, dass wir noch dieses Jahr den dringend benötigten großen Wurf schaffen werden“, resümierte er.

Gerber sprach zugleich von einer „Trendwende“ nach zwei schwierigen Jahren in der Bauwirtschaft. Das Land Tirol halte sein Investitionsniveau bewusst hoch und verstehe sich als antizyklischer Auftraggeber. Das Tiroler Baubudget für 2026 bezifferte er mit einem Wachstum von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 2,52 Mrd. Euro (2025: 2,47 Mrd. Euro). Die klassisch bauwirksamen Leistungen sollten indes auf rund 1,94 Mrd. Euro steigen, was einem Plus von 3,4 Prozent entsprach (2025: 1,88 Mrd. Euro).

Neben dem ÖVP-Mann verwiesen auch Landesbaudirektor Christian Molzer und der Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, Patrick Weber, auf erste Erholungssignale in der Tiroler Bauwirtschaft. Molzer hob als Wachstumstreiber im Tiefbau vor allem die Instandsetzung bestehender Infrastruktur, den Katastrophenschutz und die Erneuerung des Landesstraßennetzes hervor. Als großes Investitionspaket nannte er zudem die Bauarbeiten im Zuge des Fernpass-Projekts, die heuer noch starten sollen. Neben zusätzlichen Investitionen durch das Land in Radwege, verwies Molzer im Hochbau auf höhere Zusicherungen in der Wohnbauförderung, die sich erst in weiterer Folge in der Bautätigkeit niederschlagen könnten.

Als wichtigen Verwaltungsschritt hob der Landesbaudirektor die digitale Verfahrensplattform Tirol hervor. Seit 7. Jänner könne eine Gewerbeanlage digital eingereicht werden. Molzer appellierte zudem an Bauherren, Unterlagen möglichst vollständig einzureichen, um Verfahren zu beschleunigen. Auch die Befähigungsprüfungen für Baumeister und Holzbaumeister nach neuer Prüfungsordnung seien angelaufen.

Bau-Innungsmeister Weber sagte, die Stimmung in der Branche habe sich verbessert, die Belastungen für die Betriebe blieben aber dennoch hoch. „In der aktuellen Bauvorschau, die noch vor Ausbruch des Iran-Krieges erstellt wurde, liegt die Einschätzung der Unternehmen bei der Note 2,8 und damit besser als in den vergangenen Jahren“, erklärte er zu den Studienergebnissen. 53 Prozent der Tiroler Betriebe bewerteten die aktuelle Geschäftslage als positiv – nach 33 Prozent im Vorjahr. Erstmals seit 2021 gebe es zudem wieder leichte Steigerungen bei den realen bauwirksamen Leistungen und beim realen Baubudget.

Allerdings relativierte Weber die nominellen Zuwächse mit Blick auf die Kostenentwicklung. Man liege nur auf dem Niveau von 2021, während Preise und Lohnkosten seither deutlich gestiegen seien. Im Wohnbau bleibe die Lage indes kritisch und es würden zu wenige Wohnungen gebaut, betonte der Innungsmeister. Für 2026 werde dort ein weiterer Rückgang erwartet, während in der Sanierung ein Plus von 7,3 Prozent prognostiziert sei. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste die Sanierungsquote jedoch mindestens verdreifacht werden, sagte Weber. Aus Sicht der Branche seien unter anderem zinsgünstige Wohnraumfinanzierungen sowie verlässliche Förderbedingungen nötig.