Vorher-Nachher-Hausumbau durch lohrmannarchitekten: 1930er-Doppelhaushälfte in Stuttgart-Vaihingen wird zum modernen, nachhaltigen Wohnraum. Fokus auf Erhalt der Bausubstanz, natürliche Materialien, regionale Handwerker, individuelle Gestaltung.
Wohntraum in Stuttgart-Vaihingen: Vorher-Nachher: Stuttgarter Architekten und ihr respektvoller Haus-Umbau - Kultur Likely publishing date: 2026-04-12
Wohntraum in Stuttgart-VaihingenVorher-Nachher: Stuttgarter Architekten und ihr respektvoller Haus-Umbau
Eine unscheinbare Doppelhaushälfte aus den 1930er Jahren in Stuttgart wird zum modernen Wohntraum für eine große Familie. Was macht den Umbau so besonders?
Immer wieder ermöglicht das Studium alter Baupläne interessante Einsichten in eine vergangene Welt. Bei der Doppelhaushälfteam Pfaffenwald in Stuttgart-Vaihingendatiert der„Möblierungsplan“ aus dem Jahre 1937. Es scheint, als hätte damals die Bauherrschaft die Furcht vor Licht und Raum geplagt. Im Erdgeschoss erkennt man auf dem Plan vor lauter Wänden keinen Wohnraum mehr.Die Küche schien im Vergleich zu heutigen Showküchen in vielen Häusernwinzig, obwohl es genügend Platz gegeben hätte, die Funktionen anders zu organisieren.
Fließende Raumfolge in der Vaihinger Doppelhaushälfte
Doch die Menschen fremdelten seinerzeit mit großen, fließenden Räumen, auch weil sie anders lebten. Und das hatte vernünftige Gründe: Man heizte längst nicht in jedem Zimmer – undje kleiner der Raum, desto geringer der Energieverbrauch. Außerdem war es überhaupt nicht selbstverständlich, dass sichdie ganze Familie am liebsten in der offenen Wohnküche versammelt. Dreckiges Geschirr und anderes sollte niemand sehen. Und: die Küche war das Reich der Hausfrau.
Bauen im Bestand am Pfaffenwald inStuttgart
Heutzutage verbindet das komplett sanierteWohnhaus in Stuttgart-Vaihingenaus den 1930er Jahrenhistorische Bausubstanz mit einer modernen, klaren Architektursprache. Und zu dieser Weitererzählung gehört es eben auch, unsere wesentlich liberalereLebensweise mit der einstigen Baukultur zu versöhnen, und zwar respektvoll. Das ist längst nicht selbstverständlich, nicht alle potenziellen Hausbesitzer haben Lust auf das Bauen im Bestand, weshalb Stefanie Larson sagt: „Es ist doch toll, dass es Menschen gibt, die den Bestand bewahren wollen.“
Und es ist auch toll,dass es Büros wie lohrmannarchitekten gibt, in dem derumweltsensible und ökologische Umgangmit Altbauen zur geschäftlichen DNA gehört.Es ist ein bekanntes Büro, das 2001 von dem Architekten Holger Lohrmannin Stuttgart gegründet wurde, und das er mittlerweile gemeinsam mit Stefanie Larson leitet. Die Bürogemeinschaftist auch Fördermitglied bei Architects for Future, eine Bewegung, die sich für einen nachhaltigen Wandel in der Baubranche einsetzt.
Es war keine leichte Herausforderung, diese in die Jahre gekommene und mehrfach schonumgebaute und verbastelte Doppelhaushälfteist ein neues Zuhause für eine fünfköpfige Stuttgarter Familie umzuwandeln. Die Bauherrin, die bereits in diesem gewachsenen Viertel inStuttgart-Vaihingenlange gelebt hat und nun das freigewordene Objekt dank eines wertvollen Nachbarschaftstipps erwerben konnte, hatte ziemlich genaue Vorstellungen von der ästhetischen Anmutung, von den Materialien und den Farben des innenarchitektonischen Umbaus (mehr zu dem Sanierungsprojekt findet sich unter dem Instagram-Account der Bauherrin unter instagram.com
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Doch der Weg dahin war anspruchsvoll. Um den räumlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde neben einer Aufstockung des Erkers im ersten Obergeschossdurch einen Holzständerbauebenfalls das Dach zum Wohnraum ausgebaut und über eine neue Treppe erschlossen. „Im Erdgeschoss gab es zuvor fünf Zimmer, die zum Teil recht dunkel waren“, erklärt Franziska Heller,Innenarchitektin bei lohrmannarchitekten. „Also haben wir sämtliche Wände entfernt und dafür eine Stahlkonstruktion eingesetzt, sodass der Wohnraum und der Küchenbereich nun offen und angenehm hell sind.“ Das klingt folgerichtig, diese Öffnung und Freilegung.
Konzeptstudie, Fotos und Notizen für das neue Haus in Stuttgart
Die Kunst aber besteht darin, alles in ein harmonisches Ganzes zu überführen. Dazu gehört eben auch ein intensiver Dialog mit der Bauherrenschaft. „Am Anfang steht in der Regel eine Konzeptstudie“, erklärt Stefanie Larson. Einerseits. Andererseits hatte die Bauherrin in den letzten Jahren vor dem Kauf des Hauses am Pfaffenwald Fotos und Notizenvon inspirierenden Häusern und Orten, auch von Reisengesammelt, die sie in den Annäherungsprozess mit Stefanie Larson und Franziska Heller einbrachte.
Individualität als Visitenkarte des Stuttgarter Büros
Nur so entstehen am Ende Unikate, die individuell auf den jeweiligen Ort abgestimmt sind und im Zusammenspiel mit dem Umfeld die richtige Atmosphäre schaffen. „Bauen ist Vertrauen“, sagt Stefanie Larson. „Wir haben keinen Stil, den man sofort erkennt. Es geht ja nicht um unsere architektonische Visitenkarte, wir bauen für die Menschen, für den Ort. Nur das ist uns wichtig.“
Die Wände, ein haptisches Erlebnis
Das Ergebnis ist im besten Sinne des Wortes eindrucksvoll.Der konsequente Einsatz natürlicher Materialien und Farbenhat eine dermaßen beruhigende Wirkung auf einen, dass man sich am liebsten auf den einfachen und so raffinierten Boden legen würde: ein Gussboden, der im Erdgeschoss aus natürlichen Biopolymeren gefertigt wurde. Man will die Oberflächen berühren und spüren, sie laden förmlich dazu ein. Vor allemdie angerauten und abgetönten Kalkputzoberflächenim gesamten Haus: an den Decken, Wänden, eigentlich überall. Ein haptisches Erlebnis.
Dazu das Holz, die freigelegten Balken im Treppenbereich, das feingliedrige Geländer von einem erfahrenen Schlosseraus dem Stuttgarter Süden. „Wir haben mit regional ansässigen Handwerkern gearbeitet, die wir meist gut kennen“, sagt Franziska Heller, „die kurzen Wege waren uns wichtig.“
Große Glasfront und schöner Garten
Glücklich war auch die Wahl des Ortes, denn es handelt sich um eine Doppelhaushälfte in einer luftig gesetzten Siedlung. Anders gesagt: es gibt einen schönen Garten mit altem Baumbestand, die Nachbarhäuser sind weit genug entfernt, um sich nicht beengt zu fühlen. Eine große Glasfront lässt viel Tageslicht ins Erdgeschoss, die Natur wird ins Innere über eine erhöhte Terrasse geholt.
Die große Wohnküche aus weißgeölten Eichenschränken und einer Kücheninsel bildet einen warmen Kontrast zu den Kalkputzwänden. Eiche an den Fenstern, und auch im Obergeschossbildet das Holz ein Leitmotiv: lange Eichendielenin allen Zimmern (für die Kinder) und im Flur, dann auch im Obergeschoss, wo sich elterliche Schlafzimmer befindet. Das Bad ist ohne Fliesen, auch hier wurde mit Kalkputz gearbeitet.
Vor dem Gebäude stehend erkennt man, wie akribisch man das innenarchitektonische Konzept auch für die Außenhülle angewendet hat. Das Dach besteht nun auch dunkelroten Ziegeln,passend zu den braunen Blechverkleidungenan den Gauben. Und auch die Fassade, wen wundert es noch, erhielt einmal einen Kalkputz in Besenstrich.
Den Stuttgarter Fernsehturm im Blick
Alles wirkt wie aus einem Guss. Franziska Heller: „Die architektonische Idee war die der Zurückhaltung, Ruhe und Wertigkeit.“ Man könnte auch sagen: Das Haus hat etwas von einer zweiten Haut, die einem Geborgenheit und Schutz gibt. Und wenn man dann aus dem Badezimmer unter dem Dach durch das kleine Fenster sieht undin der Ferne den Stuttgarter Fernsehturmin der Sonne blitzen sieht, will man gar nicht mehr raus aus diesem alten, für die Zukunft geretteten Haus.
Ein Haus mit Garten: Die Sehnsucht der Deutschen – auch in der Region Stuttgart – nach dem perfekten Eigenheim ist ungebrochen, trotz der Krisen. Was auch historische Gründe hat.
Vorher-Nachher: Stuttgarter Architekten und ihr respektvoller Haus-Umbau
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