Vermutete Sabotage an TAL-Ölpipeline in Italien; Strommast mutmaßlich professionell mit Brennschneider gefällt; Versorgung unterbrochen; Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Triest mit Geheimdiensten; Betreiber spricht von technischer Störung. Ermittler vermuten Sabotage an TAL-Pipeline - tirol.ORF.at Likely publishing date: 2026-04-12 12.04.2026 15.45 Online seit heute, 15.45 Uhr Ermittler vermuten Sabotage an TAL-Pipeline Auf die TAL-Ölpipeline soll in Italien ein Sabotageakt verübt worden sein. Ein Strommast einer Pumpstation soll offenbar mit einem Brennschneider zum Einsturz gebracht worden sein. Das bestreitet die Betreibergesellschaft. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Triest. Die Leitung, die durch Tirol verläuft, versorgt Österreich fast zur Gänze mit Rohöl. Der Vorfall soll sich an einem Knotenpunkt der Transalpinen Ölpipeline (TAL), die vom Hafen Triest über Tirol und Salzburg nach Deutschland führt, ereignet haben. Ein Strommast, der das Ölpipeline-Netzwerk speist, wurde Ende März laut Medienberichten in einem schwer zugänglichen Gebiet in der Gemeinde Tolmezzo (Provinz Udine) nahe Kärnten mit einem Brennschneider beschädigt. Die Ermittler vermuten eine professionelle Aktion, die auf die Energieversorgung Mitteleuropas abzielte. Umgeknickt ist der Masten laut übereinstimmenden Medienberichten an der Grenze zwischen Friaul und Kärnten, in einem schwer erreichbaren Gebiet. Zunächst wurde ein Erdrutsch als Ursache vermutet, doch Videoaufnahmen der RAI 1-Nachrichten „Tg1“ belegen laut den Ermittlern die Vermutung, dass es sich um eine Sabotage gehandelt haben könne, wegen der nun auch ermittelt wird. Videoaufnahmen vom umgeknickten Strommasten. Quelle: RAI 1 Laut Ermittlungen und Zeugenaussagen vor Ort sei der Strommast nicht durch natürliche Ursachen zu Boden gegangen. Die Basis des Mastes wurde offenkundig mit einer Brennschneidflamme abgetrennt. Die Aktion scheint darauf abgezielt zu haben, keinen sofortigen Zusammenbruch des Strommasts zu verursachen, sondern einen langsamen Kollaps, der die Versorgung der Pumpstationen des Ölpipelinesystems hätte unterbrechen sollen. Die Betreibergesellschaft der TAL-Ölpipeline bestritt in einer Presseaussendung die Sabotage und erklärte, es habe sich um eine „normale technische Störung“ gehandelt. In einer weiteren Stellungnahme gegenüber dem ORF Tirol verweist die TAL auf den Stromnetzbetreiber Terna. Dieser habe am 25. März gefordert, die Pumpstation in Paluzza vom Stromnetz zu trennen, um den sofortigen Beginn der Reparaturen an einem Strommasten zu ermöglichen. Die betroffene Stromleitung versorgt die TAL sowie ein weiteres Unternehmen. „Die Störung betraf also externe Energieinfrastruktur, nicht die Pipeline selbst“, erklärte eine TAL-Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft Triest sieht die Lage offenbar anders und ermittelt wegen Sabotage. Die Untersuchung wurde den Carabinieri und der Polizei anvertraut und erfolgt in Zusammenarbeit mit den deutschen Geheimdiensten, berichteten friaulische Medien. Es wird vermutet, dass hinter dem Angriff keine gewöhnlichen Vandalen stecken, sondern professionelle Saboteure, die möglicherweise mit abtrünnigen Geheimdiensten in Verbindung stehen. Bisher gab es kein Bekennerschreiben zur vermuteten Sabotage. Russisches Öl wurde in der Pipeline aufgrund der Sanktionen ersetzt. 2024 wurden über das Leitungssystem 40,3 Millionen Tonnen Rohöl an acht Raffinerien geleitet, darunter auch an die OMV-Raffinerie in Schwechat. Die TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und seit 1967 in Betrieb. Sie transportiert Rohöl vom Hafen in Triest nach Deutschland, Österreich und in die Tschechische Republik. Seitens der TAL wurde bestätigt, dass es nach dem Vorfall im März zu einem „technischen Rückgang der Förderleistung“ gekommen sei. Raffinerien aus Süddeutschland meldeten daraufhin Lieferausfälle. „Wir haben bis zum 30. März drei Tage lang kein Rohöl durch die TAL-Pipeline bekommen und von unseren Rohölbeständen gelebt“, bestätigte eine Sprecherin der Miro-Raffinerie in Karlsruhe der „Welt am Sonntag“. Auch die Bayernoil-Raffinerie hatte mit dem Lieferausfall zu kämpfen. Die Standorte Neustadt und Vohburg in Bayern mussten ebenfalls die Lieferunterbrechung aus örtlichen Lagerbeständen drei Tage lang überbrücken, so die Zeitung. Die Pipline verläuft aus Italien kommend zur kärntnerischen Grenze nach Kötschach-Mauthen (Bezirk Hermagor). Dort liegt eine erste innerösterreichische Pumpstation. Die TAL führt dann weiter durch Osttirol nach Norden und überquert die österreichisch-deutsche Grenze bei Kufstein. Bayern und Baden-Württemberg werden laut TAL zu 100 Prozent versorgt, Österreich – über eine Abzweigung bei Kötschach-Mauthen – zu 90 Prozent und Tschechien zu 40 Prozent. Die gesamte Strecke ist durch zahlreiche Markierungspfähle mit speziellen Hinweisschildern gekennzeichnet. Auf denen sind die bereits zurückgelegte Strecke und die Telefonnummer des zuständigen Kontrollzentrums angegeben. --- Source: https://tirol.orf.at/stories/3349725/ sdDatePublished: 2026-04-12T15:07:00Z Topics: energy industry, oil and gas - downstream activities, law enforcement, international relations Locations: Kelheim, Karlsruhe, Russia, Baden-Württemberg, Germany, Tyrol, Lower Austria, Czech Republic, Altötting, Carinthia, Udine, Salzburg, Bavaria, Austria, Italy, Trieste