Psychologin Margarete Imhof betont, dass gutes Zuhören erlernbar und entscheidend für Demokratie und soziale Beziehungen ist; neue Angebote in Stuttgart wie Plaudertelefon fördern Zuhörkultur, Chatbots kein Ersatz für echte Gespräche.
Psychologin über Kommunikation: „Tu einfach mal das Handy weg!“ – wie man ein aufmerksamer Zuhörer wird - Stuttgart Likely publishing date: 2026-04-13
Psychologin über Kommunikation„Tu einfach mal das Handy weg!“ – wie man ein aufmerksamer Zuhörer wird
Wie geht Zuhören? Margarete Imhof hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Am 15. April spricht sie im Hospitalhof. Vorab gibt es im Interview Gelegenheit ihr zuzuhören.
Margarete Imhof, langjährige Professorin für Psychologie an der Universität Mainz, ist Spezialistin im Zuhören. ImInterviewmit unserer Zeitung verrät sie, wie Gut-Zuhören geht und warum MinisterpräsidentWinfried Kretschmannrichtig lag, als er eine Politik des Gehörtwerdens postulierte.
Frau Imhof, wir hören uns nur am Telefon. Wie wichtig ist es, beim Zuhören Blickkontakt zu haben?
Der Blickkontakt hat zwei Seiten. Manchmal kann das stressen; das merkt man, wenn man versucht, etwas Emotionales oder Kompliziertes zu formulieren. Da ist man eher geneigt, zur Wand oder auf den Boden zu schauen. Der Blickkontakt beim Zuhörer ist wichtiger, solange er den Sprecher nicht anstarrt. Blickkontakt drückt aus: Ich bin bei dir und verzichte bewusst darauf, nebenbei in einem Buch zu blättern, eine Mail zu schreiben oder mein Handy zu checken. Für den Sprechenden ist das ein wichtiges Signal. Es zeigt ihm: mein Gegenüber schenkt mir volle Aufmerksamkeit.
Kunst kommt von Können und insofern istgutes Zuhören-Könnenauch eine Kunst. Das soll aber nicht heißen, dass Zuhören etwas ist, das nur ein paar talentierte Menschen können, die man dann irgendwo ausstellt. Zuhören ist vielmehr etwas, das man lernen kann und das es zu lernen lohnt. Man muss kein Van-Gogh im Zuhören sein, um seinen Menschen durch gutes Zuhören etwas zu geben.
Ist Zuhören dann eine Technik?
Auch zum Malen und Musikmachen gehört Technik. Es gibt einige Hilfen, die man sich aneignen kann. Jede Technik wird durch die Übung zu einem persönlichen Stil und durch die Reflektion zu einer persönlichen Marke. Wenn man sich Zuhörübungen anschaut, hat man erst mal das Gefühl, das sei etwas Mechanisches. Wenn man aber auf die Effekte achtet, wird es zu einer Haltung und damit immer persönlicher und individueller.
Wo lernt man diese Haltung?
Kinder lernen diese Haltung in erster Linie durch das Vorbild der Erwachsenen. Sie merken sehr genau, ob man ihnen zuhört oder nicht. Kinder schauen sich das dann ab – auch von Erziehern und Lehrer. Das sollte man sich bewusst machen, denn Zuhören ist das zentrale Medium, mit dem Kinder die Welt erforschen.
Kann man Zuhören auch wieder verlernen?
Zuhören kann ziemlich anstrengend sein. Denn es bedeutet ja auch, dass ich übe mich zurückzunehmen und nicht reflexhaft überlege, was ich gleich antworte. Das heißt auch, von sich selbst und dem eigenen Bauchnabel abzusehen. In der Gesellschaft wird uns das eher abtrainiert. Belohnung bekommt man in der Regel, wenn man möglichst laut auftritt. Der Zuhörende hat es da schwer. Er fällt erstmal nicht auf. Wir haben in unserem Sprachgebrauch viele Sätze wie: „Der hat das Sagen“. Haben Sie schon mal gehört, dass jemand sagt: „Der hat das Zuhören“? Eher nicht. So gewöhnt man sich das Zuhören irgendwann ab.
Sind wir durch Social Media stärker zu einer Sendegesellschaft geworden?
An der Oberfläche auf jeden Fall. Nur wenn man was sendet, bekommt man Likes. Jemand, der in Social Media nur zuhört, wird nicht wahrgenommen. Die Tatsache aber, dass zu Veranstaltungen übers Zuhören eingeladen wird, wie jetzt im Hospitalhof, dass es vermehrt Zuhörbänke, Zuhörerräume oder wie in Hamburg einen Zuhörkiosk gibt, zeigt , dass im Moment eine Art Gegenbewegung stattfindet. Das drückt sich auch in den Angeboten der Stuttgarter Bürgerstiftung aus, wie dem Plaudertelefon oder dem Café Kränzchen.
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Kann künstliche Intelligenz das Zuhören ersetzen?
Chatbots sind eigentlich super Zuhörer. Sie ermutigen, sind nie sauer oder genervt, machen einem keine Vorwürfe, sind geduldig. Anrufer nehmen das auch als empathisch war. Wenn man aber am Ende des Gesprächs fragt: Fühlst du dich jetzt sozial aufgehoben und weniger einsam, dann schlägt das zurück, und der Mensch fühlt sich noch einsamer als vorher.
Angebote wie das der Telefonseelsorge werden demnach weiterhin gebraucht?
Eindeutig ja! Die menschliche Verbindung, das Gefühl von Jemandem gehört zu werden, dieser Mensch-zu-Mensch-Kontakt ist nicht zu ersetzen. Das gilt für jung wie für alt. Chatbots können unterstützend wirken, sie sollten dann aber auch darauf hinweisen: Ruf doch mal bei derTelefonseelsorgean oder beimPlaudertelefon. Geh zu richtigen Menschen!
Weg vom Sorgentelefon, hin zum ganz normalen Zuhören. Was muss denn erfüllt sein, dass man jemandem gerne zuhört?
Das spielen viele Faktoren eine Rolle, Ganz wichtig ist die Stimme. Das ist wie ein Resonanzkörper. Wenn die Stimme angenehm ist, dann hört man gerne zu. Es kann auch der Akzent sein oder die Wortwahl. Menschen, die einen vertrauten Zungenschlag haben, können einem den größten Blödsinn erzählen, man hört ihnen trotzdem zu, das spielt dann wieder Heimatverbundenheit eine Rolle. Auch Gefühle sind wichtig. Zuhören kann leichtfallen, wenn der Sprecher meine Emotionen anspricht und man feststellt, der steht hinter dem, was er sagt. Umgekehrt gilt: Der Akzent oder eine Spracheigenheit können unterbewusst auch als störend empfunden werden. Man hört dann nicht gerne zu.
Dialektsprecher könnten es außerhalb ihres Sprachraums schwerer haben?
Ja! Von Schiller wird ja erzählt, dass er beim ersten Vortrag seiner „Räuber“ dermaßen vor sich hin geschwäbelt hat, dass keiner gedacht hat, dass das irgendwas taugt.
Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht Schwäbisch. Sein Markenzeichen war die Politik des Gehörtwerdens. Ist das etwas, das man mit Politik sonst nicht so in Verbindung bringt?
Wenn man sagt, die Politiker hören nie zu, dann meint man im Grunde, die machen nicht, was ich will. Das funktioniert so natürlich nicht. Was Kretschmann gut konnte, war, den Leuten das Gefühl zu geben, dass ihr Anliegen in seine Überlegungen Eingang findet und er sich mit ihren Argumenten auseinandersetzt, auch wenn am Ende anders entschieden wird. Er und sein Team waren gelassen und sorgfältig genug, die Dinge in dieser Weise zu organisieren. Dazu gehört dann auch, dass man sich als Politiker die Mühe macht zu begründen, warum man etwas so oder so entschieden hat.
Kann Gehörtwerden in diesem Sinne zu einer Stabilisierung der Demokratie beitragen?
Ja, davon bin ich überzeugt. Dafür gibt es auch Beispiele. In den USA hat eine Aktivistengruppe Trump-Befürworter und Trump-Gegner regelmäßig zu moderierten Gesprächen zusammengebracht. Das führte dazu, dass diese Menschen sich weniger polarisierend äußerten und sich für die Position der Gegenseite interessieren nach dem Motto: der andere könnte mit seinem Argument ja auch recht haben. Die Initiative für eine solche Zuhörkultur sollte aus der Zivilgesellschaft kommen. Wenn man damit einige Menschen erreicht, wäre schon etwas gewonnen.
Wie lauten Ihre Tipps für gutes Zuhören?
Zuhören lernt man durch Übung. Eine ganz wesentliche Regel lautet: Shut up and listen, sei still und hör zu! Halte Pausen aus und rede nicht sofort weiter! Gib dem anderen Raum! Mach die Sätze nicht für ihn fertig! Sei geduldig! Und vor allem: Tu einfach mal das Handy weg! Und zeig dem Menschen, dass der Mensch, dem du zuhörst, genau jetzt die wichtigste Person ist.
VortragZu dem Vortrag „Hör mir doch mal zu“ von Margarete Imhof am 15. April um 19 Uhr im Hospitalhof in der Büchsenstraße haben verschiedene Stuttgarter Organisationen eingeladen, bei denen das Thema Zuhören eine Rolle spielt: das Plaudertelefon der BürgerstiftungStuttgartals Initiator, Ruf & Rat, die psychologische Beratung und Telefonseelsorge der katholischen Kirche,das Seniorentelefon „Dreiklang“ der evangelischen Gesellschaft Stuttgart (Eva)und dieTelefonseelsorge e.V. Auf den Vortrag folgt eine praktische Übung, die zeigen soll, was es bringt, wenn man zuhört und wenn einem zugehört wird.
Zur PersonMargarete Imhof ist emeritierte Professorin für Psychologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mit vorausgegangenen Stationen unter anderem in Würzburg, in den USA, und Bamberg. 2003 habilitierte sie sich für das Fach Psychologie an der Goethe-Universität in Frankfurt
Main. 2008 folgte sie einem Ruf auf eine Professur für Psychologie in den Bildungswissenschaften an der Universität Mainz. Von 2007 bis 2008 war sie Präsidentin der International Listening Association (ILA, www.listen.org).
PlaudertelefonDas Plaudertelefon ist eine Einrichtung der Stuttgarter Bürgerstiftung. Projektleiterin Katja Simon beschreibt das Angebot so: „Beim Plaudertelefon ist Zuhören das Wichtigste, da es keine physische Begegnung gibt. Es geht nicht darum, Antworten zu geben oder Probleme zu lösen, sondern darum, gemeinsam im Gespräch zu sein und den Alltag miteinander zu teilen.“ Die Gesprächspartner nähmen sich Zeit für Gespräche: „Es geht um echte Begegnung – mit Respekt, Offenheit und Interesse an häufig völlig unterschiedlichen Lebenswelten“, erklärt Simon. Die Begegnungen auf Augenhöhe könnten zum Nachdenken anregen und den Blick auf das Leben erweitern. Erreichbar ist das Plaudertelefon unter: 0711 20 300 999 erreichbar. Mail: hallo@plaudertelefon-stuttgart.de; www.plaudertelefon-stuttgart.de
Martina Rudolph-Zeller leitet die evangelische Telefonseelsorge Stuttgart. Sie ist Zuhörerin von Beruf. Gleichzeitig lohnt es sich ihr zuzuhören. Wer sich an sie und ihre Kollegen wendet.
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