Streit um Kirchenfenster nach Aberkennung von Ehrenring für verurteilten Ex-Dekan Josef Patscheider; Gemeinde fordert vollständige Entfernung, Pfarre plant nur Teilentfernung widmungsbezogener Elemente, künstlerische Glasfenster bleiben.
Umstrittene Erinnerung im Kirchenfenster - tirol.ORF.at Likely publishing date: 2026-04-13
13.04.2026 16.04 Online seit heute, 16.04 Uhr
Ende März hat der Gemeinderat von Jenbach die Aberkennung des Ehrenrings von Josef Patscheider beschlossen. Der ehemalige Dekan war wegen sexuellen Missbrauchs von acht minderjährigen Mädchen verurteilt worden. Kirchenfenster erinnern aber nach wie vor an den Dekan.
Es sei ein „unerträglicher Gedanke“, dass Betroffene von Missbrauch „in einem Gotteshaus weiterhin mit dem Erbe ihres Peinigers konfrontiert werden“, schreibt der Vizebürgermeister von Jenbach, Christian Wirtenberger, in einem offenen Brief.
Die Pfarre Jenbach beschäftigt sich seit längerer Zeit mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle rund um den ehemaligen Dekan Josef Patscheider. Er wurde 1986 wegen sexuellen Missbrauchs von acht minderjährigen Mädchen rechtskräftig verurteilt und musste auf Anordnung des damaligen Bischofs die Pfarre verlassen.
Schritte gehen Gemeinde nicht weit genug
Ende März hat der Gemeinderat von Jenbach die Aberkennung des Ehrenrings von Josef Patscheider beschlossen. Anlass war offenbar eine Dokumentation, die Missbrauchsfälle wieder ins Bewusstsein rückte. In der Doku kommt eine Betroffene zu Wort. Doch die bisher gesetzten Schritte gehen der Gemeinde nicht weit genug.
Streitpunkt sind drei Kirchenfenster, die Patscheider in seinem Namen gespendet hat. Der Vizebürgermeister fordert, dass diese entfernt werden. Er ruft die Kirche in die Pflicht. Die Pfarre Jenbach plane laut Wirtenberger, lediglich eine „Teillösung“ umzusetzen. Das linke und rechte Fenster sollen demnach ausgetauscht werden, das mittlere Motiv jedoch erhalten bleiben.
Am Montag reagierte die Pfarre mit einer Stellungnahme. Darin betont Markus Leitinger, Pfarrkurator des örtlichen Seelsorgeraums, dass man sich der Verantwortung „bewusst“ sei. Die Taten des früheren Dekans seien „durch nichts zu entschuldigen“. Der Pfarre sei klar, dass der sexuelle Missbrauch der Kinder „bis heute nachwirkt“.
Der Pfarrgemeinderat habe beschlossen, alle sichtbaren Nennungen des Namens Josef Patscheider im Kirchenraum zu entfernen. Dazu würden insbesondere Stifterinschriften und Schriftzüge an Glasfenstern zählen. „Das ist ein klares und bewusstes Zeichen“, so Leitinger. „Wir wollen Josef Patscheider nicht öffentlich ehren und seinen Namen nicht in einem Raum präsent halten, der Schutz, Vertrauen und Glauben vermitteln soll“, hieß es.
Die Bildmotive der betroffenen Glasfenster des Künstlers Fred Hochschwarzer sollen laut der Pfarre aber bestehen bleiben. Sie würden keine Darstellung von Patscheider selbst zeigen und seien als Kunstwerke Teil des Kirchenraums. Ihre künstlerische und religiöse Aussage werde „klar von der Person des Täters getrennt“, sagt Leitinger. Er verweist darauf, dass alle personenbezogenen Widmungen entfernt werden sollen.
Der Vizebürgermeister fordert hingegen einen „klaren Schnitt“. Nur ein solcher beweise „den nötigen Respekt gegenüber den missbrauchten Frauen“, erklärte Wirtenberger. Patscheider sei durch die Fenster in der Kirche weiter präsent, das sei „unerträglich“ für die betroffenen Frauen. Die Pfarre betont, dass man mit der vorgestellten Lösung jedoch „den Rückmeldungen von Betroffenen folgt“. In den Prozess würden neben den Betroffenen auch Fachstellen der Diözese Innsbruck und Historiker einbezogen werden.
Pfarre sieht keine Lösung, die für alle richtig ist
„Uns ist wichtig, dass Entscheidungen über kirchliche Räume und Symbole nicht von oben herab getroffen werden“, erklärte Leitinger. Der Pfarre sei „bewusst“, dass es keine Lösung gebe, „die für alle gleichermaßen richtig ist“. Vizebürgermeister Wirtenberger betonte, er könne nicht verstehen, „warum die Kirche da jetzt einen Rückzieher macht und die Sache nur zu zwei Dritteln macht“. In der Gemeinde sorge das für Kopfschütteln.