Cold-Case Mord an 17-jähriger Anhalterin bei Stuttgart: Ermittler prüfen 40 Jahre später neue Spuren, mögliche Ermittlungsfehler bei Mercedes-Typen-Fahndung, Zeugen-Aussagen werden hinterfragt, Ermittlungen intensiviert. Ungeklärter Mord seit 40 Jahren: Mord an junger Anhalterin – neue Spuren nach 40 Jahren - Stuttgart Likely publishing date: 2026-04-14 Ungeklärter Mord seit 40 JahrenMord an junger Anhalterin – neue Spuren nach 40 Jahren Am 15. April 1986 wurde eine 17-jährige Anhalterin in einem Wald zwischen Stuttgart und Magstadt umgebracht. Eine Cold-Case-Expertin rollt den Fall neu auf. Man sagt gemeinhin, dass Gras über eine Sache wächst, wenn etwas in Vergessenheit gerät. Hier, im Gewann Seebrückle im Hölzertal zwischenStuttgartundMagstadt, ist es kein Gras – es sind ganze Bäume. Längst zugewachsen ist die einstige Lichtung, auf der vor 40 Jahren dieLeiche der 17-jährigen Angelika S.gefunden wurde. Die Anhalterin ausAalenwar in der Nacht zum 15. April 1986 von einem Autofahrer vergewaltigt und erstochen worden. Und eine Reihe von Ermittlern, die sich immer wieder neu mit dem Cold Case befassen, fragen sich, ob sie womöglich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Und doch findet man in diesem Fall durchaus Neues heraus. Die Cold-Case-Sachbearbeiterin der Kriminalpolizeidirektion Böblingen hat reichlich Erfahrung darin, in alten Ermittlungsakten Ungereimtheiten und Lücken, in alten Asservaten neue Ansatzpunkte zu finden. Die Kriminalbeamtin, die anonym bleiben will, hat die Akten aus dem Keller wieder auf dem Tisch. Mit Kriminaltechnik und Staatsanwaltschaft haben Cold-Case-Ermittler schon vor Jahren einen Sindelfinger Frauenmörder überführen können. Der war 25 Jahre unentdeckt geblieben – auch weil es bei damaligen Ermittlungen Lücken gab. Nun haben es die Böblinger mit einem Opfer zu tun, das heute zur gleichen Generation zählen würde wie sie selbst.Die neue Sucheist gründlich. Selbst unser Zeitungsarchiv wird eingeschaltet, um die Berichte von damals zu sichten. Ein möglicher Tatverdächtiger soll nicht behaupten können, er habe bestimmtes Täterwissen in der Presse gelesen. So viel steht wohl fest: Alles hat mit Liebeskummer begonnen. Die 17-jährige Angelika S. aus Aalen-Unterkochen ist im April 1986 vermutlich in einem psychischen Ausnahmezustand, weil sich ihr aus demselben Ort stammender Freund am Wochenende von ihr getrennt hatte. Er ist auch räumlich weit weg. In Calw im Nordschwarzwald, 124 Kilometer entfernt, arbeitet er als Fernmeldehandwerker bei der Bundeswehr. Während eines Besuchs bei einer Freundin beschließt die 17-Jährige am 14. April 1986, einem Montagabend, spontan nach Calw zu fahren. Ohne Geld, als Tramperin. Die junge Frau, die ihre Lehre als Damenschneiderin abgebrochen hat und ohne Beschäftigung ist, lässt sich nicht aufhalten. Die besorgte Freundin verständigt die Eltern, und die erstatten sofortVermisstenanzeige bei der Polizei. Ein Autofahrer bringt Angelika S. von Aalen zu einer Tankstelle nach Essingen an der B 29 wenige Kilometer westlich von Aalen. Es ist 20 Uhr, und ihm fällt der labile Zustand der jungen Frau auf. Er bietet ihr Hilfe, sogar Geld für eine Bahnfahrt an, doch sie lehnt ab. Er gibt ihr seine Visitenkarte, damit sie anruft, wenn es ihr schlechter gehen sollte. Diese Visitenkarte wird später bei ihrer Leiche gefunden. Die Polizei rekonstruiert eine weitere Fahrt nach Schwäbisch Gmünd. Von dort nimmt sie ein Autofahrer nach Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) mit. „Ich hätte sie vielleicht besser zur Polizei bringen sollen“, sagt der Mann 25 Jahrespäter in einer Fernsehsendung. Sie sei erschöpft gewesen, auf dem Autositz eingeschlafen. Offenbar unter Medikamenteneinfluss. Und doch geht es weiter. Nach Fellbach. Und dann nach BadCannstatt. Der letzte bekannte Chauffeur ist ein Ludwigsburger Audi-80-Fahrer, der sie gegen 21.30 Uhr von der Wilhelma in die Barockstadt bringt. Eigentlich nicht logisch: Ludwigsburg liegt in entgegengesetzter Richtung. Ein Umweg. Aber vielleicht ist alles egal, vielleicht gibt es von dort bessere Mitfahrgelegenheiten. Es heißt, dass sie in der Friedrich-Ebert-Straße aussteigt, sich kurz in einer Gaststätte aufhält und dann zur Bärenwiese geht. Es ist kalt, es hat weniger als drei Grad. Fatal: Die Bärenwiese gilt als Straßenstrich, und womöglich ist es ein Freier, der glaubt, eine vermeintliche Prostituierte mitzunehmen. Gegen 22 Uhr sieht ein Zeuge eine junge blonde Frau in einen hellen Mercedes einsteigen. Kripo-Ermittlungen in und um StuttgartWer holt die Mordfälle aus der Mottenkiste? Eigentlich müsste die Fahrt über die A 81 zur B 295 über Renningen und Weil der Stadt führen. Doch der Wagen steuert den Umweg in Richtung Magstadt an, ins Hölzertal, vorbei am Hölzersee, „wo sich nachts die Jugend traf und man noch baden konnte“, wie sich ein Zeitzeuge erinnert. Wer auch immer Angelika S. mitgenommen hat – er kannte offenbar einen kleinen, engen Waldweg, nach rechts, der schräg in Richtung Seebrücklesweg zurückführt. Und den man geradeaus wieder verlassen kann, indem man rechtwinklig zur Hölzertalstraße abbiegt. Also ein Mann, der sich sowohl im Milieu der Ludwigsburger Bärenwiese als auch im Hölzertal auskennt? Am 15. April 1986, gegen 16 Uhr, findet ein Spaziergänger eine Tote am Wegesrand. In der Brust drei tödliche Messerstiche. Die Leiche ist bekleidet mit Hose und Strickpulli, aber die Unterwäsche liegt abseits. Angelika S. ist das Opfer eines Sexualverbrechens, ihr Tod ein Verdeckungsmord. Das Tatmesser mit mindestens elf Zentimeter Klingenlänge, einseitig geschliffen, fehlt. Der Täter, so ein Polizeisprecher damals, „weiß, wie man ein Menschenleben schnell und präzise auslöscht“. Manchmal dauert ein Erfolg auch 46 Jahre Bisher hat die Suche nach dem Täter immer wieder in eine Sackgasse geführt. Ein rätselhafter Stein mit chinesischen Schriftzeichen, im Jahr 2009 am Tatort hinterlassen, entpuppte sich am Ende als Zufall – es war achtlos entsorgter Gartenabfall einer Magstadterin. Doch das Polizeipräsidium Ludwigsburg hat reichlich Erfahrung mit Cold Cases, die am Ende zum Ermittlungserfolg führten. Da wäre etwa die 35-jährigeArbeiterin Bärbel G., die im Juni 1978 in ihrem Einzimmerapartmentin Ludwigsburg von einem Einbrecher mit 37 Messerstichen getötet wurde. 46 Jahre später wurde der mutmaßliche Mörder, inzwischen 66, in den USA verhaftet. Die DNA führte zu einem damaligen US-Soldaten aus der benachbarten Flak-Kaserne, der schließlich im Bundesstaat New York aufgespürt werden konnte. Die Experten in der Kriminaldirektion und Kriminaltechnik in Böblingen können auch einen Erfolg imMordfall Brigitta Jacobifür sich verbuchen – die Bluttat an einer 35-Jährigen, die im Juli 1995 nahe des Breuningerlands in Sindelfingen (Kreis Böblingen) nachts auf offener Straße erstochen wurde – Auge in Auge mit Zeugen. Der Mann blieb dennoch 25 Jahre lang unentdeckt, obwohl er noch im Jahr 2001 in Oberfranken eine 51-jährige Geschäftsfrau bestialisch umbrachte. Doch dann machte sich ein Cold-Case-Team nochmals an den Fall – und entlarvte den Täter Anfang 2020 über eine kleine DNA-Spur, die man einst unter den Fingernägeln des Opfers gefunden hatte. Der heute 75-Jährige sitztnach zwei Prozessen zum Fall lebenslangin Haft. Er war einst Vorzeigemanager großer Unternehmen. Gibt es auch bei denCold-Case-Ermittlungenum Angelika S. eine heiße Spur? „Ein Tötungsdelikt, bei dem der Täter zufällig auf sein Opfer trifft, ist besonders schwer aufzuklären“, sagt ein Mitglied der damaligen Soko. Und es gelte auch heute im Ruhestand, dass man mit der Nennung von Details höchst zurückhaltend sein müsse. Alte Polizeischule, aber weiterhin gültig: Die sensible Beweislage gegen einen Verdächtigen, gerade bei Cold Cases, muss gerichtsfest bleiben. Entsprechend vorsichtig geht die Cold-Case-Sachbearbeiterin der Kriminalpolizeidirektion Böblingen mit Auskünften um. Haben alle Zeugen wirklich korrekte Angaben gemacht? Nach Informationen unserer Zeitung gibt es durchaus neue Erkenntnisse. So dürften offenbar nicht alle Zeugen korrekte Angaben gemacht haben. Ein weiterer Punkt: Bei der Suche nach dem ominösen letzten Fahrzeug, dem hellen Mercedes, sollen dem Vernehmen nach zwar mehr als 2000 Fahrzeuge des Typs W115 mit Ludwigsburger Kennzeichen überprüft worden sein – nicht aber die des Typs W123, obwohl es darauf einen Hinweis gab. Ein mögliches Versäumnis? „Die Ermittlungen zu den Fahrzeugen dauern derzeit an“, sagt die Cold-Case-Ermittlerin. Sollte einkonkreter Tatverdächtigerim Visier sein – die Cold-Case-Experten würden es derzeit auch zum 40. Jahrestag des Verbrechens wohl nicht verraten. Würde dabei ein Verdächtiger per DNA-Test ausgeschlossen, wäre das ein wichtiges Ergebnis, aber auch keine echte Erfolgsmeldung. Doch darf eines in diesem dunklen Waldstück im Gewann Seebrückle sicher sein: Im Mordfall Angelika S. wird kein Gras über die Sache wachsen. Die Cold-Case-Ermittlungen im Land sollen verbessert werden – dabei hatte die Stuttgarter Polizei schon einen Spezialisten mit Vorbildcharakter. Mord an junger Anhalterin – neue Spuren nach 40 Jahren Nach Trennung von GeschäftsführungMarienhospital holt Sanierer – „Handeln, bevor es zu spät ist“ Klage vor Landgericht StuttgartForscher aus Russland fordert Schadenersatz: Ausländerbehörde vor Gericht Nahverkehr in StuttgartSSB kündigen „sanftes Facelift“ für Klett-Passage an Neues Konzept bei Hypochondrie„Jedes Symptom wird zur Angst, an etwas Lebensbedrohlichem zu leiden“ Debatte über BismarckplatzSoll Bismarck noch einen Platz in Stuttgart haben? Einsatz in StuttgartFeuerwehr rettet Eule aus den Bärenseen Stuttgarter Schüler beim AustauschMit dem Tuk-Tuk zur Schule, dann wird gebetet Zapfsäulen-DatenSpritpreise in Stuttgart: E10 wieder über 2 Euro Oberer Schlossgarten Stuttgart33-Jähriger wegen Verdachts auf Drogenhandel festgenommen Nachdem sich das Marienhospital im Stuttgarter Süden von seinen beiden Geschäftsführerinnen getrennt hat, ist der Interimschef nun zum ersten Mal vor Ort gewesen. Ein Wissenschaftler aus Russland behauptet, wegen Verzögerungen bei der Stuttgarter Ausländerbehörde habe er eine Stelle erst später antreten können. Die Stadt weist dies zurück. Die Klett-Passage und die Haltestelle darunter sind 50 Jahre alt. So sehen sie auch aus. Die große Umgestaltung lässt auf sich warten, nun sollen es kleine Veränderungen richten. Hypochonder tingeln von Arzt zu Arzt. Der Stuttgarter Chefarzt Holger Salge über die Ursachen der Störung und über das neue Behandlungskonzept in der Sonnenbergklinik. Wie umgehen mit Bismarck, dem einst reihenweise Straßen, Plätze und Denkmäler gewidmet wurden? Auch in Stuttgart. Die Stadt hat dazu jetzt einen Diskussionsprozess gestartet. Die Feuerwehr Stuttgart hat einen Kauz aus einem der Bärenseen in Stuttgart gerettet. Das Tier hatte sich in einer Angelschnur verfangen – und stand offenbar kurz vor dem Ertrinken. Viele Stuttgarter Schulen ermöglichen Schüleraustausche. Wie ist es wirklich, einige Wochen in einem anderen Land und in einer Gastfamilie zu leben? Wann wird Senkung der Mineralölsteuer wirksam? Vorerst gibt es nur die 12-Uhr-Regel, doch der Effekt scheint zu verpuffen. Wo es trotzdem verhältnismäßig günstig ist. Im Bereich des Oberen Schlossgartens in Stuttgart hat die Polizei einen 33-Jährigen festgenommen. Er soll Cannabis verkauft haben. --- Source: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ungeklaerter-mord-seit-40-jahren-mord-an-junger-anhalterin-neue-spuren-nach-40-jahren.907aae6c-4b9a-4910-a0db-4afcce7dbd90.html sdDatePublished: 2026-04-14T18:21:00Z Topics: homicide, investigation (criminal), newspaper Locations: Rems-Murr-Kreis, Stuttgart, Calw, Ostalbkreis, Ludwigsburg, United States, Russia, Baden-Württemberg, Germany, New York, Böblingen, Bavaria