Nur eine Frau unter 18 Bewerbungen für das Rektorat der Universität Innsbruck; geringer Frauenanteil sorgt für Verwunderung. Aktuelle Findungskommission startet Auswahlprozess, ehemalige Rektorin Sexl nicht mehr im Rennen.


Nur eine Frau bewarb sich für Rektoratsstelle - tirol.ORF.at Likely publishing date: 2026-04-14

14.04.2026 05.57 Online seit heute, 5.57 Uhr

Nur eine Frau bewarb sich für Rektoratsstelle

Für die Suche nach einem neuen Rektor bzw. einer neuen Rektorin der Universität Innsbruck ist vor kurzem die Bewerbungsfrist abgelaufen. Insgesamt bewarben sich 18 Personen für die Leitung der größten Wissenschaftseinrichtung in Westösterreich. Dass darunter nur eine Frau ist, sorgt für Verwunderung.

Mit vergangenem Mittwoch, 8. April, endete die Frist für die Bewerbung für den Rektoratsposten der Universität Innsbruck. Nach einer Ausschreibungszeit von über sechs Wochen steht nun die Zahl der Einreichungen fest. Von den 18 Bewerbungen entfallen 17 auf Männer, teilte der Universitätsrat – praktisch der Aufsichtsrat der Hochschule – gegenüber dem ORF Tirol mit.

Die Nachfolge der derzeitigen Amtsinhaberin Veronika Sexl ist insofern durchaus begehrt – allerdings offensichtlich nicht bei Frauen. Dass nur eine einzige weibliche Bewerberin unter den Einreichungen aufscheint, kam für manche Beobachterinnen und Beobachter überraschend.

Bei der bisher letzten Ausschreibung für den Rektoratsposten der Uni Innsbruck sah die Situation im Frühjahr 2022 noch anders aus. Damals waren in Summe 23 Bewerbungen eingelangt. Darunter waren fünf Frauen und 18 Männer, also ein Frauenanteil von rund 20 Prozent. Heuer ist es mit einer einzigen Frau ein Anteil von sechs Prozent.

2022 entschied Veronika Sexl das Rennen um den Posten für sich. Nach nur einer Amtszeit musste ihre Stelle jedoch wieder ausgeschrieben werden. Der Universitätsrat hatte ihre Wiederbestellung in einem verkürzten Verfahren abgelehnt, was für viele sehr überraschend kam. Deshalb musste die Leitungsfunktion neu ausgeschrieben werden – mehr dazu inUni Innsbruck schrieb Rektoratsposten aus.

Bei dem aktuellen Verfahren ist Sexl nicht auf der Liste der Bewerbungen. Grundsätzlich hätte sie sich erneut bewerben können. Sie nahm die Entscheidung des Universitätsrats rund um die Ablehnung einer Wiederbestellung zur Kenntnis und nahm von einer Bewerbung Abstand, sagte sie auf Anfrage gegenüber dem ORF Tirol.

Über die Gründe für die Ablehnung einer Wiederbestellung Sexls herrscht nach wie vor Unklarheit. Die Hochschulmanagerin konnte die Universität Innsbruck als größte Forschungs- und Wissenschaftseinrichtung in Westösterreich während ihrer bisherigen Amtszeit weiter vorantreiben. Erst kürzlich wurde die „Alma mater“ in einem österreichweiten Ranking auf Platz drei der besten Arbeitgeber für Frauen gewählt.

Für ihre wissenschaftlichen Verdienste als Krebsforscherin wird Sexl am Mittwoch in Halle an der Saale in die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands, aufgenommen. Damit wird ihr eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen zuteil – mehr dazu inAuszeichnung für Innsbrucker Unirektorin.

In den nächsten Wochen läuft die Bewertung der eingelangten Einreichungen von einer Findungskommission über den Senat bis hin zum Universitätsrat. Zunächst sichtet die Findungskommission die eingelangten Bewerbungen. Diese Kommission besteht laut Gesetz aus je zwei Vertreterinnen und Vertretern des Senats und des Unirates sowie einer zusätzlich nominierten Person.

Setzt sich aus allen Gruppen von Universitätsangehörigen (Professorinnen

Professoren, Mittelbau, allgemeines Personal, Studierende) zusammen.

Besteht aus sieben Mitgliedern und hat die Funktion eines Aufsichtsrats.

Der Senatsvorsitzende Walter Obwexer, der bekannte Europarechtler der Universität Innsbruck, wurde zum Leiter der Findungskommission bestellt. Daneben gehören ihr auch Reinhard Schretter (Vorsitzender des Universitätsrates), Christine Baur (Mitglied Universitätsrat), Alexandra Koschak (Senatsmitglied) sowie Andrea Schenker-Wicki (Rektorin der Universität Basel) an.

Diese Kommission bewertet die Einreichungen und erstellt gemeinsam einen Dreiervorschlag, der anschließend an den Senat geht. Daraufhin wird der Senat mit einer gewissen Anzahl von Interessenten universitätsinterne Hearings abhalten. Anschließend erstellt der Senat eine erneute Reihung der drei geeignetsten Kandidaten bzw. der Kandidatin.

Dieser Dreiervorschlag geht schließlich an den Universitätsrat, der letzten Endes einen neuen Rektor bzw. eine neue Rektorin wählt. Bis Ende Juni will der Senat seinen Dreiervorschlag an den Universitätsrat übermitteln. Bald darauf wird feststehen, wer in der nächsten, regulär vier Jahre dauernden, Periode die Geschicke der Universität Innsbruck lenkt.

Quotenforderung bei Studenten im Polit-Test

Offizieller Amtsantritt ist mit Anfang März 2027 geplant. Auf Sexls Nachfolge warten dann jedenfalls zahlreiche Aufgaben. Bereits jetzt stehen etwa die Budgetverhandlungen der Universitäten mit dem Wissenschaftsministerium für die Periode 2028 bis 2030 an. Darüber hinaus gilt die Universität Innsbruck als Volluniversität mit 27.000 Studierenden und rund 5.600 Beschäftigte als zentrale Institution, die laufend ihren gesellschaftlichen Nutzen unter Beweis stellen muss.

Erst kürzlich kam beispielsweise eine Debatte über den Anteil von Studierenden aus Deutschland auf. Die Liste Fritz, eine Oppositionspartei des Tiroler Landtags, kritisierte etwa den hohen Anteil deutscher Studentinnen und Studenten in bestimmten Gesundheitsfächern wie Psychologie. Sie forderte eine Quotenregelung, um die Gesundheitsversorgung in Österreich nachhaltig zu sichern.

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