MVZ Mind in Stuttgart schließt ohne rechtzeitige Information der Patienten, viele stehen plötzlich ohne ärztliche Versorgung, besonders in Neurologie und Psychiatrie. Fünf Ärzte wechseln zu Valeara, Engpässe bleiben. Praxisschließung in Stuttgart: MVZ Mind macht dicht: Patienten stehen ohne Arzt da - Stuttgart Praxisschließung in StuttgartMVZ Mind macht dicht: Patienten stehen ohne Arzt da Das Medizinische Versorgungszentrum Mind in Stuttgart hat geschlossen – teils ohne die Patienten zu informieren. Diese warten nun auf einen neuen Facharzt und auf ihre Krankenakten. Manche Patienten standen einfach vor verschlossener Tür. So wie Susanne Bauer, die für ihren Arzttermin bei dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Mind für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie eigens am 8. April aus dem Landkreis Ludwigsburg nachStuttgartgefahren war. An der Tür habe gestanden, dass die Praxis aus betrieblichen Gründen geschlossen sei. Vor der Türe habe sie „aus Verzweiflung“ unter der Praxisnummer angerufen. „Aber da war nur eine Warteschleife ohne Ansage“, sagt Bauer, die eigentlich anders heißt. Bauer ist seit 2025 Patientin bei Mind. „Mit meiner Ärztin war ich sehr zufrieden“, sagt sie. Patienten erfahren nichts von Terminabsagen Wie ihr ging es noch einigen weiteren Patienten, die sich bei unserer Zeitung gemeldet haben – manche empört, viele ratlos: Niemand hatte ihnen mitgeteilt, dass ihre Arzttermine nicht mehr stattfinden würden. Das ist gerade in diesem medizinischen Fachbereich besonders heikel: Patienten warten auf Facharzttermine in der Neurologie und Psychiatrie teils monatelang, auf Psychotherapieplätze vier bis sechs Monate. Lediglich ein Aushang an der Praxistür verweist auf eventuelle Ausweichmöglichkeiten: Die Patienten von Mind sollten sich demnach bei Valeara Neurozentrum Stuttgart melden. Das Praxiszentrum hat Standorte in ganz Deutschland und ist ebenfalls auf Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie spezialisiert. Zu den Gründen der Schließung hat sich die Geschäftsführung des MVZ Mind auf Nachfrage unserer Zeitung bisher nicht geäußert. Doch es gibt Hinweise aus dem kollegialen Umfeld: Laut Simone Hoffmann, Chief People Officer (CPO) bei Valeara, habe sich für die Betreiber des Mind MVZ abgezeichnet, dass die Praxis erhebliche Versorgungsprobleme bekommen würde. „Deshalb stehen wir bereits seit einigen Wochen mit der Praxis im Austausch“, so Hoffmann. Wenn so ein großer Versorger wie das MVZ Mind nicht mehr die gewohnte Menge an Patienten behandeln könne, entstehe automatisch ein erhöhtes Patientenaufkommen für andere Versorger, „also auch in unserer Praxis“. Fünf Ärzte wechseln zur Nachfolgepraxis Gemeinsam habe man eine gute Lösung finden wollen, um Patientinnen und Patienten des MVZ Mind möglichst ohne Versorgungsengpass qualitativ gut weiter versorgen zu können. „Viele leiden an chronischen Erkrankungen und müssen regelmäßig betreut und behandelt werden“, sagt Hoffmann. Da bereits fünf Ärzte der Praxis Mind fest zum Valeara-Standort gewechselt seien, „ist es uns möglich, den Versorgungsengpass partiell abzufedern“. Es zeigt sich jedoch laut Hoffmann deutlich mehr Bedarf, als Valeara in Stuttgart derzeit mit seinen personellen, rechtlichen und räumlichen Möglichkeiten abdecken kann. „Wir sind sehr bemüht, auch noch diese Lücke zu schließen, und stehen dazu sowohl mit der Kassenärztlichen Vereinigung in intensiven Gesprächen, als auch weiter mit der neuen Geschäftsführung des MVZ Mind“, ergänzt sie. Wirbel um Stuttgarter KlinikPaukenschlag im Marienhospital: Klinik trennt sich von Geschäftsführerinnen Fraglich bleibt, was mit den ganzen Krankenakten nach der Schließung geschieht: So haben Patienten grundsätzlich das Recht auf ihre eigenen Akten und Dokumentationen. Natürlich sei es für Valeara als weiterführenden Behandler und vor allem für die Patienten sehr viel effektiver und effizienter, wenn die neuen Ärzte auf bestehende Dokumentationen zurückgreifen könnten. „ Auch hier sind wir zuversichtlich, dieses Problem schnell zum Wohle der Patientinnen und Patienten lösen zu können“, betont Hoffmann. Susanne Bauer sagt, sie glaube bei Valeara erschienen nun jeden Tag 40 bis 50 verzweifelte Patienten, die einen neuen Arzt bräuchten. „Ich verstehe schon, dass die Hilfe in der neuen Praxis auf bestimmte Sprechzeiten limitiert ist und sie auch dringende Rezepte nur nach vorheriger Arztsprechstunde ausstellen können“, sagt Bauer. Dennoch hätte Bauer gerne ihre Krankenakte mitgenommen. Sie habe daraufhin ihre Krankenkasse kontaktiert. Krankenkasse verweist Patientin nur an Ärztekammer Die Landesärztekammer Baden-Württemberg teilt dazu mit, dass gemäß der ärztlichen Berufsordnung Ärztinnen und Ärzte verpflichtet sind, über ihre beruflichen Feststellungen und Maßnahmen erforderliche Aufzeichnungen anzufertigen, die sowohl als Gedächtnisstütze als auch im Interesse einer ordnungsgemäßen Patientendokumentation dienen. Patienten hätten das Recht auf unverzügliche Einsicht in ihre Akten, sofern keine erheblichen therapeutischen Gründe oder Rechte Dritter entgegenstehen. Fünf Stuttgarter Pädiater gehen in RuhestandEltern Tausender Kinder müssen neuen Kinderarzt suchen – „Lage ist dramatisch“ Die Aufbewahrungspflicht für ärztliche Aufzeichnungen betrage mindestens zehn Jahre nach Behandlungsabschluss. Diese Verpflichtung bestehe auch über die aktive Berufsausübung hinaus: Bei Praxisaufgabe müssten Ärzte entweder selbst für die Aufbewahrung sorgen oder die Unterlagen in gehörige Obhut geben. Psychotherapie wurden ein Tag vorher beendet Eine Übergabe an Praxisnachfolger sei aber grundsätzlich nur mit schriftlicher Einwilligung der betroffenen Patienten zulässig. Kann diese Einwilligung trotz entsprechender Bemühungen nicht eingeholt werden, verbleibe die Aufbewahrungspflicht beim bisherigen Praxisinhaber. Auch die ehemalige Patientin Saskia Maier, die ihren echten Namen ebenfalls nicht nennen möchte, hat versucht, ihre Patientenakte zu bekommen. Die Stuttgarterin war in der Praxis zu einer Psychotherapie. „Ich bin schon länger dort in Behandlung und habe Ende März plötzlich eine Nachricht bekommen, dass ab sofort keine weiteren Termine mehr möglich sind“, schildert Maier. „Unfassbar, wie mit Patienten umgegangen wird“ Ihr sei in einem Schreiben mitgeteilt worden, es habe bei Mind Veränderungen in der Geschäftsführung gegeben, weshalb sie keine neuen Termine mehr erhalten könne. „Ich finde es unfassbar, wie hier mit Patienten umgegangen wird“, sagt Maier und ergänzt: „Menschen mit psychischen Erkrankungen gehen nach monatelanger Wartezeit nicht zum Spaß zur Psychotherapeutin.“ Eine Therapie derart abrupt zu beenden, könne ihrer Einschätzung nach bei manchen Patienten eine lebensbedrohliche Situation hervorrufen. Für viele sei die Psychotherapie ein Halt, der nicht einfach von heute auf morgen wegbrechen sollte. „Gibt es keine Fürsorgepflicht seitens der Mind mvz GmbH?“, fragt sie. Immerhin sei sie wenigstens von ihrer Psychotherapeutin persönlich kontaktiert worden. Zwei Jahre waren die Geschäftsführerinnen des Marienhospitals im Amt. Nun hat die Klinik mitgeteilt, eine Interimsleitung sei eingesetzt. Welche Folgen hat das? Der Aderlass an Kinderärzten in Stuttgart geht weiter. Wieder schließen drei altgediente Pädiater ihre Praxen. Weitere Abgänge sind angekündigt. Woran liegt es? MVZ Mind macht dicht: Patienten stehen ohne Arzt da Immer mehr Schüler fehlenSchulleiter über zunehmenden Schulabsentismus: „Jetzt hilft nur die Keule“ Fernbusverkehr in StuttgartNeuer Shuttle ab Stuttgart bringt Reisende in zwei Stunden zu diesem Flughafen Neuer Aquarium-Chef in der WilhelmaMatthias Götz: „Der Job in der Wilhelma ist für mich ein Glückstreffer“ Freibäder in StuttgartDie Freibad-Saison startet – was man dazu wissen sollte Flughafen StuttgartLufthansa beendet Flüge zwischen Stuttgart und München Kunstmuseum StuttgartIm Kunstgebäude am Schlossplatz: Kunstmuseum eröffnet „Das kalte Herz“ Hilfe für Frauen in Stuttgart„Am 1. Juli bekommen wir den Schlüssel“ – Städtisches Frauenhaus zieht um Ironischer EhrungsvorschlagStuttgarts letzter CDU-Abgeordneter stichelt gegen Chef seiner Kreispartei Stuttgarter FrühlingsfestCannstatter Wasen wird erneut zur Verbotszone für E-Scooter In Stuttgart stechen vier berufliche Bildungsgänge heraus. In diesen fehlten 38 Prozent regelmäßig oder ganz, so Schulleiter Felix Winkler. Dahinter steckten oft Suchtprobleme. Von 1. Juni an verbindet ein neues Fernbusangebot den Stuttgarter Flughafen mit einem vor allem für seine Billigflieger bekannten Airport – bis zu neun Mal täglich. Der gebürtige Stuttgarter Matthias Götz ist nach 25 Jahren Tätigkeit auf der Kanalinsel Jersey zurück in seiner Heimat und hat hier seinen Traumjob gefunden – in der Wilhelma. Die Freibadsaison in Stuttgart startet bald. Welche Bäder wann öffnen und was es mit den neuen Rauchverboten auf sich hat – wir beantworten die wichtigsten Fragen. Das Aus für die Lufthansa Cityline geht nicht spurlos am Stuttgarter Flughafen vorüber. Die Flüge vom Manfred-Rommel-Airport nach München sind bereits gestrichen. Das Kunstmuseum Stuttgart ist dicht – und ist doch Gastgeber am Schlossplatz. Wie das? An diesem Freitag, 17. April wird im Kunstgebäude die Schau „Das kalte Herz“ eröffnet. Die Zahl der Beratungen bei häuslicher Gewalt hat 2025 zugenommen. In Stuttgart gibt es zwei Frauenhäuser, in denen Betroffene unterkommen können. Nun ist Verbesserung in Sicht. In Bundes- und Landtag ist die Stuttgarter CDU bald ohne Mandat. Wie der Noch-Parlamentarier Reinhard Löffler deswegen mit dem Chef der Kreispartei abrechnet. Während des Frühlingsfests können Leihroller vor Ort nur an vier festen Stationen abgegeben und ausgeliehen werden. Wer nachts betrunken fahren will, muss einen Reaktionstest bestehen. --- Source: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.praxisschliessung-in-stuttgart-mvz-mind-macht-dicht-patienten-stehen-ohne-arzt-da.65ef321a-ed1f-4869-900e-930925c4c181.html sdDatePublished: 2026-04-17T04:40:00Z Topics: healthcare industry, psychiatry, public health Locations: Ludwigsburg, Bavaria, Germany, Stuttgart