Archäologen identifizieren in Pompeji Spuren des Polybolos, antiker Mehrschusswaffe ähnlich Maschinengewehr; Sullas römische Truppen setzten diese bei Belagerung ein, bestätigende Einschussmuster in Stadtmauer, computergestützte Nachweise.

Römische Artillerie in PompejiAls der antike Vorläufer des Maschinengewehrs zum Einsatz kam

Römische Artillerie in PompejiAls der antike Vorläufer des Maschinengewehrs zum Einsatz kam

Bei einer Belagerung Pompejis vor rund 2100 Jahren könnten die Römer eine legendäre Waffe eingesetzt haben – das mehrschüssige Polybolos, ein antiker Vorläufer des Maschienengewehrs.

Das heutige Niedersachsen zu Beginn des dritten Jahrhunderts n. Chr.: Am Harzhorn bei Kalefeld auf der östlichen Spitze eines kilometerlangen, Ost-West laufenden Höhenzuges, der als eine natürliche Barriere auf den Westrand des Harzes zuläuft, marschieren tausende römische Soldaten.

Römische Katapulte im Einsatz bei der Schlacht am Harzhorn

Hier, an den Nord-Süd-Verbindungen entlang des Harzrands, müssen die Legionäre einen engen Pass überqueren. Sie sind auf dem Rückmarsch aus dem Norden und finden den nach Süden führenden Pass am Harzhorn versperrt vor. Germanische Krieger haben sich auf der Passhöhe und in den umliegenden dichten Wäldern positioniert und greifen die römischen Truppen an.

Diese erkämpfen sich in einer stundenlangen Schlacht ihren Weg unter massivem Waffeneinsatz über den Höhenzug. Zum Einsatz kommen auch Torsionsgeschütze. Die Schusswaffen können eine oder mehrere metallene Bolzen schnell hintereinander verschießen.

Die germanischen Krieger haben gegen diese antike Artillerie keine Chance und fallen reihenweise. Die Römer bleiben aufgrund ihrer überlegenden Militärtechnik erfolgreich, müssen aber wegen der anhaltenden Bedrohung Richtung Leinetal ausweichen.

Spurensuche in der AntikeRömer und Germanen: Zeitreise in eine wechselvolle Geschichte

Im Jahr 9. n. Chr. vernichteten germanische Krieger ein großes römisches Heer. Der Name des Generals gab der Schlacht ihren Namen: Varusschlacht. Doch die Geschichte von Römern und Germanen umfasste weit mehr als nur eine Schlacht. Begeben Sie sich mit uns auf eine Zeitreise zurück in die Antike – nach Germanien.

Rund 1700 Jahre später: Archäologen entdecken im Norden der süditalienischen antikenStadtPompejiReste der bis zu sechs Meter hohe Stadtmauer der römischen Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. durch einen Ausbruch des Vesus komplett verschüttet wurde.

In den Mauersteinen klaffen zahlreiche Löcher, die auf einen intensiven Beschuss hindeuten. „Diese Zeitzeugnisse haben römische Umbauten, Naturkatastrophen, die Bomben des Zweiten Weltkriegs und moderne Maßnahmen überdauert“, erklären Adriana Rossi von der Vanvitelli-Universität Kampaniens und ihre Kollegen im Fachjournal„Heritage“.

Varusschlacht im Jahr 9. n. Chr.Forscher bestätigen: In Kalkriese wurde eine römische Legion vernichtet

Im Jahr 9. n. Chr. vernichteten Germanen ein gewaltiges römisches Heer. Der Name des römischen Generals gab der Schlacht ihren Namen: Varusschlacht. Nun belegen neue Funde und Metallanalysen, dass Kalkriese in Westfalen mit großer Wahrscheinlichkeit der Schauplatz dieser folgenschweren Niederlage Roms war.

Der römische Feldherr Sulla belagert Pompeji

Inzwischen ist klar, dass diese Einschusslöcher von der Belagerung Pompejis durch den römischen Feldherrn Lucius Cornelius Sulla (138-78 v. Chr.) im Jahr 89 v. Chr. stammen.

Der spätere Diktator kämpfte damals im Bundesgenossenkrieg (Bellum Sociale) gegen italienische Stämme, die gegen die Römer rebellierten, weil ihnen ein volles Bürgerrecht verweigert wurde. Pompeji stand in diesem Krieg auf Seiten der Aufständischen und sollte durch den Angriff Sullas und seiner Truppen unterworfen werden.

Die großen Löcher in der Stadtmauer verraten, dass die Römer bei ihrer Belagerung Katapulte einsetzten, mit denen sie schwere Sandsteinkugeln auf die Mauer schossen.

9 n. Chr.: Römer gegen GermanenWar die Varusschlacht überhaupt eine Schlacht?

Im Jahr 9. n. Chr. vernichteten Germanen ein gewaltiges römisches Heer. Der Name des römischen Generals gab der Schlacht ihren Namen: Varusschlacht. Doch war Kalkriese in Westfalen wirklich der Schauplatz dieser folgenschweren Niederlage Roms war. Eine Spurensuche.

Das Rätsel der eckigen Einschusslöcher

Neben den massiven Geschoss-Spuren finden sich in der Stadtmauer aber auch kleinere, regelmäßig angeordnete Einschüsse. „Diese fächerförmigen Löchergruppen fallen nicht nur durch ihre rechteckige Form auf, sondern auch durch ihre bogenförmige Anordnung mit kurzen, regelmäßigen Abständen“, berichten die Spatenforscher.

Damit unterscheiden sich diese meist in Dreier- oder Viergruppen stehenden Löcher deutlich von den Spuren der großen Katapultgeschosse.

  1. n. Chr.: Römer gegen GermanenWar Kalkriese nur das letzte Kapitel der Varusschlacht?

Im Jahr 9. n. Chr. vernichteten Germanen ein gewaltiges römisches Heer. Der Name des römischen Generals gab der Schlacht ihren Namen: Varusschlacht. War Kalkriese in Westfalen wirklich der Schauplatz dieser folgenschweren Niederlage Roms war. Eine Spurensuche.

Philon von Byzanz: Erfinder des Polybolos

Nach eingehender Untersuchung fanden die Archäologen in einer Beschreibung des griechischen Gelehrten und Erfinders Philon von Byzanz aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert des Rätsels Lösung.

Dieser berichtete in seinem „Handbuch der Mechanik“ von einem sogennnten Polybolos: Einer Schusswaffe, mit der man mehrere metallene Bolzen schnell hintereinander verschießen konnte und die rund 300 Jahre später offenbar auch am Harzhorn zum Einsatz gekommen sein könnte.

Mithilfe eines ausgeklügelten Kurbel- und Ketten-Mechanismus rutschte nach jedem Schuss automatisch ein Bolzen aus einem Magazin in die Abschussvorrichtung nach. „Die Geschosse streuen nicht, sondern erzeugen eine Bahn, die mehr oder weniger entlang eines Kreissegments liegt“, beschreibt Philon die Wirkweise. Das Polybolos war damit eine Art antiker Vorläufer des modernen Maschinengewehrs.

Roms Legionen in GermanienDie Römer kamen bis nach Sachsen-Anhalt

Das Römische Reich machte auch vor dem heutigen Deutschland nicht Halt. Doch wie weit sind die Römer dabei in den Osten vorgedrungen? In Sachsen-Anhalt haben Forscher nun antike Truppenlager entdeckt.

Ursprung in den antiken Waffenschmieden von Rhodos

„Die radiale Konfiguration und engen Abstände der Einschüsse in Pompeji machen die Nutzung einer solchen automatischen Waffe plausibel“, schreiben die Archäologen. Um dies zusätzlich zu überprüfen, bauten sie ein Polyboros virtuell nach analysierten digital dessen Schussmuster. Die Ergebnisse deckten sich mit den Löchern in Pompejis Stadtmauer.

Der römische General Sulla könnte das Polybolros während seines Zeit als Gouverneur der Provinz Sizilien kennengelernt haben, wie Rossi und ihr Team erklären. Diese Provinz umfasste auch die Insel Rhodos, die damals ein Zentrum der Waffenproduktion war und auf der das Polybolos der Überlieferung nach erfunden wurde.

„Es ist daher plausibel, dass Sulla – ein politisch erfahrener und technischer versierter Kommandeur – eine solche Mehrschusswaffe bei der Belagerung von Pompeji einsetzte“, schreiben die Forscher.

Römer gegen GermanenKalkriese war tatsächlich Ort der Varusschlacht

Pompeji wird zu römischen Kolonie

Nachdem die Römer die Mauern Pompejis durchlöchert hatten, stürmten und eroberten sie die Stadt. Pompeji wurde zu einer römischen Kolonie, welche in den folgenden 100 Jahren eine Blütezeit erlebte. Bis die Stadt im Jahr 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuv verschüttet und für viele Jahrhunderte konservierte wurde.

Foto: © Rossi et al.

Foto: © Rossi et al.

Im Jahr 9. n. Chr. vernichteten Germanen ein gewaltiges römisches Heer. Der Name des römischen Generals gab der Schlacht ihren Namen: Varusschlacht. Nun belegen neue Funde und Metallanalysen, dass Kalkriese in Westfalen tatsächlich der Schauplatz dieser folgenschweren Niederlage Roms war.

Als der antike Vorläufer des Maschinengewehrs zum Einsatz kam

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