Kritik des Pensionistenverbands an Reform des Pflegegeldgesetzes; Angehörigenbonus soll weiter erst ab Pflegestufe vier gelten; 94.046 Betroffene in Stufe drei ausgeschlossen; Forderung nach Ausweitung ab Stufe drei.

Pflegegeld: Pensionistenverband übt Kritik - tirol.ORF.at

21.04.2026 05.54 Online seit heute, 5.54 Uhr

Die geplante Reform des Bundespflegegeldgesetzes stößt beim Pensionistenverband (PV) auf Kritik. Demnach soll es weiterhin erst ab Pflegestufe vier Anspruch auf Zuschuss für pflegende Angehörige geben. Menschen in der Pflegestufe drei gehen dabei leer aus.

Nach der aktuellen Pflegegeldstatistik befinden sich derzeit 94.046 Menschen in Pflegestufe drei. Ihre pflegenden Angehörigen seien damit vom Angehörigenbonus ausgeschlossen, weil dieser weiterhin erst ab Pflegestufe vier ausbezahlt werde, kritisierte der Pensionistenverband.

Viele von ihnen trügen allerdings schon in der Stufe drei eine enorme Verantwortung, stünden rund um die Uhr in Bereitschaft, koordinierten Arzt- und Therapietermine, würden Haushalts- und Betreuungstätigkeiten übernehmen und häufig ihre Erwerbsarbeit reduzieren, um die Pflege daheim bewältigen zu können.

Das Ausmaß des Pflegegeldes richtet sich nach dem Pflegebedarf. In Österreich gibt es sieben Pflegestufen. Unter Stufe drei versteht man eine Pflegeleistung von mehr als 120 Stunden pro Monat, bei Stufe vier erhöht sich dieser Bedarf auf mehr als 160 Stunden.

„Dass über 94.000 Pflegegeldbezieherinnen und -bezieher in Pflegestufe drei faktisch ignoriert werden, ist sozialpolitisch nicht vertretbar“, betonte der Tiroler Landespräsident des Pensionistenverbands, Herbert Striegl. „Wer einen nahen Menschen in Pflegestufe drei zu Hause betreut, ist genauso belastet wie Angehörige höherer Stufen. Diese Ungleichbehandlung muss beendet werden.“

PV: Angehörige Rückgrat des Pflegesystems

Striegl erinnerte daran, dass pflegende Angehörige das Rückgrat des Pflegesystems seien und den Verbleib in der gewohnten Umgebung überhaupt erst möglich machten. Ohne ihre tagtägliche Leistung würden sowohl mobile Dienste als auch stationäre Einrichtungen rasch an ihre Grenzen kommen.

Die Politik könne nicht einerseits auf die familiäre Pflege bauen und andererseits jene, die sie leisten, von Unterstützungsleistungen ausschließen, erklärte er und forderte, dass der Angehörigenbonus bereits ab Pflegestufe drei gewährt werden solle. Der Pensionistenverband Tirol forderte die Bundesregierung daher auf, den Angehörigenbonus auf Pflegestufe 3 auszuweiten.