Theodor-Haecker-Preis für nigerianischen Journalisten Philip Obaji jr.; Auszeichnung für Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen in Afrika trotz Bedrohung; Stadt Esslingen ehrt Mut, Wahrheit und Einsatz für Menschenrechte.

Haecker-Preis für Philip Obaji: Die Stimme der Wahrheit bleibt nie stumm – Ehrung in Esslingen - Landkreis Esslingen

Haecker-Preis für Philip ObajiDie Stimme der Wahrheit bleibt nie stumm – Ehrung in Esslingen

Der nigerianische Journalist Philip Obaji jr. ist ein unermüdlicher und mutiger Kämpfer für die Menschenrechte. Dafür hat ihn die Stadt Esslingen nun ausgezeichnet.

Als Philosoph, Kulturkritiker und Schriftsteller war Theodor Haecker ein Mann der Worte. Und als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus nutzte er Sprache als seine schärfste Waffe. Die Macht der Worte eröffnet auch dem nigerianischen Journalisten Philip Obaji jr. die Möglichkeit, Menschenrechtsverletzungen in West- und Zentralafrika anzuprangern und den Opfern eine Stimme zu geben. Das macht ihn selbst zur Zielscheibe von Verleumdung und Bedrohung. Doch der politische Mut des 40-Jährigen ist stärker als die Angst vor seinen skrupellosen Gegnern. Für sein unermüdliches Eintreten für Freiheit und Menschenwürde hat die StadtEsslingenPhilip Obaji jr. nun mit dem Theodor-Haecker-Preis ausgezeichnet.

OBMatthias Klopferhat größten Respekt vor Obajis journalistischer Arbeit. Und er betonte beim gut besuchten Festakt imNeckar Forum, was heutige Generationen von Theodor Haecker lernen können: „Wer die Wahrheit sucht, muss genau hinsehen, hinterfragen und Verantwortung übernehmen. Denn nur so schützen wir unsere Gesellschaft vor Manipulation.“ Wie Haecker stehe auch Obaji für Gewissensfreiheit, geistige Unabhängigkeit und den Mut zum Widerstand gegen Unrecht. Menschen wie er setzten sich unerschrocken, mutig und unter Lebensgefahr dafür ein, „dass wir als Gesellschaft die Möglichkeit haben, Dinge aus einer neuen oder kritischen Perspektive anders zu betrachten“.

Esslingen wolle Menschen sichtbar machen, die sich in herausragender Weise für Menschenrechte, Frieden und Demokratie einsetzen. Persönlichkeiten wie Obaji zu würdigen, sei auch ein Anlass, über die eigene Verantwortung zur Verteidigung und Einhaltung der Menschenrechte nachzudenken und das Handeln in Europa kritisch zu hinterfragen: „Nur wenn wir bereit sind, hinzusehen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen, können wir die universellen Werte der Menschenrechte dauerhaft schützen“, so Klopfer in der Feierstunde, die auf bewegende Weise von Philipp Püsche und Podium-Festivalgast Elshan Ghasimi musikalisch bereichert wurde.

Die Wahrheit muss ans Licht

Der Fernsehjournalist Udo Lielischkies zeichnete in seiner Laudatio Obajis Weg zum investigativen Journalisten nach: Begegnungen mit verängstigten Minenarbeitern und in überfüllten Flüchtlingslagern, die Gespräche mit Augenzeugen und Opfern von Mord und Vergewaltigung, Menschenhandel und Massakern haben Obaji geprägt. Junge Frauen, die ihm erzählten, wie sie in Camps gelockt und gewaltsam geschwängert wurden – die Babys wurden an Adoptiveltern verkauft. Mütter, die ihre Töchter verstümmelten, um sie für Menschenhändler unattraktiv zu machen. Und Kinder, die mit ansehen mussten, wie ihre Eltern von Islamisten abgeschlachtet wurden. „Philip Obaji riskiert viel für die Wahrheiten, die er ans Licht bringen will“, befand Lielischkies mit Blick auf den Terror der islamistischen Boko-Haram-Miliz und deren Hintermänner. Und doch konnte dieses unvorstellbare Maß an Grausamkeit ihn so wenig von seinem Weg abbringen wie die ständige Bedrohung, der er sich und seine Kollegen ausgesetzt sahen.

Haecker-Preis für Philip Obaji jr.Esslingen ehrt eine starke Stimme für Wahrheit und Menschlichkeit

2018 stieß Obaji auf eine neue Schattenwelt – die Welt brutaler russischer Söldnertruppen wie der berüchtigten Wagner-Gruppe, die die geopolitischen Ziele des Putin-Regimes in Afrika um jeden Preis und mit allen Mitteln rücksichtslos durchzusetzen versuchen. „Philip ist mutig, aber nicht tollkühn“, bescheinigte Lielischkies seinem Kollegen. Dass Obajis Arbeit Wirkung zeigt, ist das größte Kompliment für ihn. Und das bestätigt Lielischkies’ Einschätzung: „Guter Journalismus kann etwas bewegen.“ Doch guter Journalismus sei heute selbst bedroht – nicht nur, weil künstliche Intelligenz die digitale Welt mit automatisch erzeugten Texten flutet und weil Empörung in sozialen Netzwerken besser gedeiht als Aufklärung. „Das alles geschieht ausgerechnet in einer Zeit, in der wir Journalisten wie Philip Obaji dringender brauchen denn je“, gab Lielischkies zu bedenken.

„Zutiefst demütig und hoch geehrt“

Der Preisträger zeigte sich „zutiefst demütig und hoch geehrt“, mit dieser Auszeichnung im Geiste Theodor Haeckers gewürdigt zu werden. Den Preis nehme er „nicht als persönlichen Triumph an, sondern im Namen der zahllosen Stimmen in Afrika – insbesondere in der Zentralafrikanischen Republik, in Mali und in anderen Konfliktgebieten –, die unvorstellbares Leid ertragen haben und dennoch ungehört bleiben. Das sind keine abstrakten Gräueltaten – es sind gelebte Realitäten von Bergleuten, Geflüchteten, Frauen und Kindern, deren Würde ihnen im Tausch gegen Mineralien, die ferne Kriege befeuern, genommen wurde.“

Obaji verhehlte nicht, dass auch er viel ertragen musste: Er ist um der Wahrheit willen Risiken eingegangen, wurde verhaftet, gefoltert, bedroht und mit ehrverletzenden Desinformationskampagnen in Misskredit gebracht. „Doch der wahre Mut gehört den Überlebenden, die trotz Trauma und Gefahr den Entschluss fassten zu sprechen. Sie sind die wahren Ritter des Glaubens unserer Zeit“, bekannte Obaji. Die Anerkennung durch die Stadt Esslingen bestärke seinen Entschluss, ihnen allen eine Stimme zu geben: „In einer Zeit, in der die Wahrheit oft durch Macht und Propaganda verschleiert wird, werfen Auszeichnungen wie diese ein Licht auf die Bedeutung unabhängiger Stimmen, die sich gegen Unterdrückung stellen.“

Der Theodor-Haecker-Preis und die Ausgezeichneten

Der PreisIm Gedenken an den Philosophen, Kulturkritiker und Schriftsteller Theodor Haecker vergibt die Stadt Esslingen seit 1995 den Theodor-Haecker-Preis. Der Namensgeber, der 1879 in Eberbach geboren wurde und lange in Esslingen gelebt hat, stritt leidenschaftlich gegen den Nationalsozialismus. Seine Gedanken waren prägend für den Widerstand der „Weißen Rose“ um Sophie und Hans Scholl. Anfangs hat die Stadt Esslingen ihre Auszeichnung alle zwei Jahre vergeben. Seit 2017 wird sie alle drei Jahre an Persönlichkeiten oder Gruppen verliehen, „die sich in herausragender Weise um Menschenrechte, Frieden und Demokratie verdient gemacht haben“.

PreisträgerErster Preisträger war 1995 der russische Menschenrechtler Sergey A. Kowaljow. Ihm folgten 1997 Jehan as-Sadat (Ägypten), 1999 Salima Ghezali (Algerien), 2000 in einer außerordentlichen Preisverleihung Viktor I. Gontschar (Belarus), 2001 Vesna Pesic (Serbien), 2003 Laurien Ntezimana (Ruanda), 2005 Eren Keskin (Türkei), 2007 Judith Galarza (Mexiko), 2009 Kitwe Mulunda Guy (Demokratische Republik Kongo), 2011 Shiva Nazar Ahari (Iran), 2013 Leyla Yunus (Aserbaidschan), 2015 Laisa Santos Sampaio (Brasilien), 2017 Urmila Chaudhary (Nepal), 2020 Rugiatu „Neneh“ Turay (Sierra Leone), 2022 in einer außerordentlichen Verleihung Maria Kalesnikava (Belarus) und 2023 die Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ates (Deutschland).

Der nigerianische Journalist Philip Obaji jr. prangert unermüdlich Menschenrechtsverletzungen in Afrika an. Für seinen Mut wird er am 24. April ausgezeichnet.

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