Reußenstein-Kletterverbot droht, jedoch signalisiert das Landratsamt nach Sanierungsarbeiten teilweise Wiederfreigabe von Routen. Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Klettersport. Weitere Burgruinen zeitnah vor Sanierung. Millionenausgaben geplant.

Beliebter Fels im Kreis Esslingen: Kletterverbot am Reußenstein droht - Das sagt das Landratsamt - Landkreis Esslingen

Beliebter Fels im Kreis EsslingenKletterverbot am Reußenstein droht - Das sagt das Landratsamt

An der Burgruine Reußenstein (Kreis Esslingen) wird derzeit Felsgestein gesichert. Klettern ist deswegen untersagt. Verbände befürchten nun ein dauerhaftes Verbot.

Seit mehr als 100 Jahren ist er ein beliebtes Kletterrevier auf der Schwäbischen Alb: DerReußensteinmit derBurgruine, hoch über GemeindeNeidlingen. Sportlern bieten Haupt-, Mittel- und Südostfels mehr als 130 unterschiedliche Routen – vom dritten bis zum oberen siebten Schwierigkeitsgrad. Mit dieser Vielfalt aber könnte bald Schluss sein. Das befürchtet der Deutsche Alpenverein (DAV). In einer Mitteilung kritisieren die Sektionen Schwaben und Stuttgart, dass ein pauschales und dauerhaftes Kletterverbot für den Reußenstein drohe.

Eine solche Regelung hätte fatale Folgen für den Klettersport, schildern die beiden Sektionsvorsitzenden Frank Boettiger und Hicham Rouhana. Sie vertreten zusammen rund 75 000 DAV-Mitglieder. DerReußenstein sei „als Ort für Sport, Naturerlebnis und Umweltbildung“für alle Altersgruppen von großer Bedeutung, regelmäßig fänden dort Kurse statt. Insbesondere für die Jugend sei der Fels ein zentraler Ausbildungsort, er bilde die Basis für das spätereKletternund Bergsteigen im alpinen Raum. Vor diesem Hintergrund fordern die Unterzeichner des Schreibens an Landrat Marcel Musolf und den Esslinger Kreistag eine erneute Prüfung der Entscheidung.

„Ich bin sicher, dass trotz der Interessenskonflikte eine für alle zufriedenstellende, differenzierte und verhältnismäßige Lösung gefunden werden kann.“

Laut den Vertretern der Kletterverbände habe es bereits Gespräche mit demLandratsamtgegeben, in denen punktuelle Ausnahmen in Aussicht gestellt worden seien. „Dennoch besteht weiterhin die Sorge, dass am Ende erhebliche Einschränkungen bestehen bleiben könnten“, heißt es in der Mitteilung. Nach dem bisherigen Verlauf der Abstimmungen sei das „Vertrauen in eine für den Klettersport tragfähige Lösung entsprechend gering“.

Streng geschützter Kalk-Pionierrasen muss umgesiedelt werden

Die Esslinger Kreisverwaltung nimmt diese Kritik mit Erstaunen zur Kenntnis – und reagiert darauf ebenfalls mit einer Mitteilung. Ja, heißt es darin, derzeit finden dringend notwendige Felssicherungen und eine Sanierung des Mauerwerkes der Burgruine statt – und zwar mit Rücksicht auf klare Vorgaben der Europäischen Union. Denn die Ruine Reußenstein liegtin einem sogenannen Fauna-Flora-Habitat-Gebiet.Die Felsköpfe sind von streng geschütztem Kalkpionierrasen besiedelt, einem der letzten Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Wegen der Eingriffe ins verwitterte und bröckelnde Gestein wurden auf Drängen der EU für rund 57 Quadratmeter Kalk-Pionierrasen an anderen Stellen rund um die Burgruine Ersatzflächen ausgewählt. „Für einen reibungslosen Ablauf der Umsiedlung mussten die umliegenden Kletterfelsen zunächst gesperrt werden“, informiert das Landratsamt. Inzwischen seien diese Arbeiten weit fortgeschritten und lägen im Zeitplan. Nach dem Abschluss könnten einzelne Kletterrouten wieder freigegeben werden, heißt es seitens der Kreisbehörde.

Laut Landratsamt ist eine vollständige Felssperrung nicht notwendig

Also alles nur ein Missverständnis? Das Esslinger Landratsamt räumt ein: Zum Zeitpunkt der Gespräche mit den Kletterverbänden sei man noch von einem dauerhaften Kletterverbot als „notwendiger Bestandteil des Kohärenzsicherungskonzepts für den Kalk-Pionierrasen“ ausgegangen. Jetzt aber, kurz vor Abschluss der Sanierungsmaßnahmen, verkündet die Kreisverwaltung eine gute Nachricht: „Es zeichnet sich ab, dass auch aus naturschutzfachlicher Sicht von einer vollständigen Felssperrung abgewichen werden kann.“

Die konkrete Umsetzung soll nun bei einem gemeinsamen Ortstermin in knapp drei Wochen finalisiert werden. Ziel der unteren Naturschutzbehörde ist es den Angaben zufolge, nach Abschluss der Umsiedlungsmaßnahmen einzelne Kletterrouten unter Berücksichtigung der naturschutzfachlichen Vorgaben wieder freizugeben. Bei dem Termin vor Ort soll gemeinsam mit allen Beteiligten geklärt werden, welche Bereiche dafür infrage kommen – und welche Routen möglicherweise entfallen.

Ein Termin vor Ort mit allen Beteiligten soll endgültige Klarheit bringen

Die Erste Landesbeamtin des Kreises, Marion Leuze-Mohr, ist zuversichtlich, dass auch am Reußenstein „trotz der Interessenskonflikte eine für alle zufriedenstellende, differenzierte und verhältnismäßige Lösung“ erreicht werden kann. Sie setzt auf den anstehenden Ortstermin: „Der konstruktive und lösungsorientierte Austausch zwischen der unteren Naturschutzbehörde und den Verbänden hat im LandkreisEsslingeneine lange Tradition und wird auch dieses Mal zu vertretbaren Ergebnissen führen“, sagt sie voller Überzeugung. Die für die Wiederaufnahme des Kletterns erforderlichen Regelungen sollen „im Einvernehmen aller Beteiligten getroffen werden“.

Ausflugsziele im Kreis EsslingenWegen leerer Kassen: Kreis kann Burgruinen nur notdürftig flicken

Auch für Radfahrer und Wanderer gibt es eine frohe Botschaft: Mit Abschluss der Sanierungsarbeiten soll die wegen Steinschlaggefahr gesperrte Pfannensteige unterhalb der Burgruine Reußenstein wieder zur freien Verfügung stehen – voraussichtlich bis Ende dieses Jahres. Der beliebte Forstwaldweg, über den zwei überregionale Fernradwege verlaufen, ist schon seit Dezember 2014 unpassierbar.

Sanierungsstrategie des Kreis für die drei Burgruinen

BestandBurgruinen sind zeitgeschichtliche Monumente von besonderer historischer Bedeutung. Der Schutz dieser Denkmäler ist für den Landkreis Esslingen als Eigentümer von drei mittelalterlichen Burgruinen – Reußenstein, Sulzburg und Rauber – ein wichtiges Anliegen. An den Bauwerken, die ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind, nagt jedoch der Zahn der Zeit. An allen drei Bauwerken wurden Schäden festgestellt.

PläneIm Herbst 2025 legte die Esslinger Kreisverwaltung eine Sanierungsstrategie vor. Die Felssicherungsmaßnahmen in diesem Jahr und die 2027 geplante Mauerwerkssanierung an der Ruine Reußenstein kosten rund eine Million Euro. Die Sanierung der Ruine Rauber ist 2027 und 2028 vorgesehen und schlägt voraussichtlich mit 750 000 Euro zu Buche. Die Kosten der in den Jahren 2028 und 2029 geplanten Sanierung der Ruine Sulzburg werden auf rund 1,35 Millionen Euro geschätzt.

Bröckelndes Felsgestein, kaputte Mauern: Die Ruinen Reußenstein, Rauber und Sulzburg sind stark beschädigt. Der Kreis investiert jetzt zwar einen Millionenbetrag, doch reicht das?

Kletterverbot am Reußenstein droht - Das sagt das Landratsamt

KinderbetreuungDefizit bei U3-Kitaplätzen – Dennoch entspannt sich die Lage in Esslingen

Esslinger Theodor-Haecker-EhrungFlammender Appell der Suppkultur für die Bedeutung der Kultur

Unfälle in EsslingenFoodtruck-Fahrer ohne Führerschein: Unfälle nach Streit mit Partygästen

Esslinger Mythen: Was ist dran?„Keine Bauchnabel mehr“: Wie Esslingen das Schaffen eines Künstlers änderte

Einzelhandel und GastronomieDiese Neueröffnungen präsentierten sich beim Esslinger Frühling

Esslinger EntenrennenTausende Fans am Ufer: 8000 Enten schwimmen für den guten Zweck

Haecker-Preis für Philip ObajiDie Stimme der Wahrheit bleibt nie stumm – Ehrung in Esslingen

Presse-Club am Esslinger ZollbergGemeinsam Zeitung lesen und die Demokratie stärken

Livemusik-Event in EsslingenKultkneipennacht zieht Musikfans in die Innenstadt

In Esslingen gibt es mehr Kindergartenplätze für Dreijährige als Anmeldungen. Im U3-Bereich reicht das Angebot weiterhin nicht aus. Aber auch hier ist die Stadt optimistisch.

Das interkulturelle Theaterprojekt vereint Menschen jeder Herkunft. Die Initiatorinnen erhalten dafür die Theodor-Haecker-Ehrung und hoffen auf mehr Unterstützung.

Ein Foodtruck-Fahrer ohne Führerschein sorgt in Esslingen für Chaos: Nach einem Streit mit Partygästen kommt es zu gleich zwei Unfällen.

Vor dem Esslinger Wolfstor steht eine Skulptur mit vielen Geheimnissen. Vor allem aber hat sie das Schaffen des Bildhauers verändert.

Der Esslinger Frühling mit Verkaufssonntag lockte Menschenmassen in die Innenstadt. Vor allem für Genießer gibt es Neuheiten, darunter ist auch eine sehr besondere Eisdiele.

Rund 8000 Plastikenten sind beim Esslinger Entenrennen um die Wette geschwommen. Mit der Aktion wurde Geld für Hilfsorganisationen gesammelt.

Der nigerianische Journalist Philip Obaji jr. ist ein unermüdlicher und mutiger Kämpfer für die Menschenrechte. Dafür hat ihn die Stadt Esslingen nun ausgezeichnet.

Gemeinsam die Zeitung lesen und über das Gelesene diskutieren – der Presse-Club im Nachbarschaftstreff auf dem Esslinger Zollberg macht’s möglich.

Esslingen wird zur Partymeile: Bei der Kultkneipennacht am Samstag lockten 13 verschiedene Locations mit Livemusik von Rock bis Soul.