Durchbruch bei einseitig gebohrtem 26-km-Wasserstollen für Kraftwerksgruppe Kühtai-Silz erzielt; Tunnel zählt weltweit zu den längsten; 1,1 Mrd. Euro Investition; Stromproduktion erhöht, Schwarzstart möglich.

Durchbruch bei Milliardenprojekt im Stubai - tirol.ORF.at

27.04.2026 06.03 Online seit heute, 6.03 Uhr

Durchbruch bei Milliardenprojekt im Stubai

Nach fast fünf Jahren ist der lange Beileitungsstollen für die Kraftwerksgruppe Kühtai-Silz fertig gebohrt. Tunnelbohrmaschine „Alesja“ fraß sich nur von einer Seite aus durch den Felsen. Mit fast 26 Kilometern Länge ist der Tunnel in dieser Form einer der längsten weltweit.

Für die TIWAG ist es ein Projekt der Superlative. Über 25 Kilometer lang ist der neue Beileitungsstollen vom Stubaital ins Kühtai. Nach fast fünf Jahren, in denen Tag und Nacht gebohrt wurde, ist im April der Durschlag gelungen.

„Es ist ein sehr emotionaler Moment“, betonte Bauleiter Paul Passler. Der Weg durch das Gebirge sei für die rund 700 Arbeitskräfte auf der Baustelle enorm kräftezehrend gewesen. „Es ist wirklich sehr harte Knochenarbeit“, so Passler bei einem Lokalaugenschein mit dem ORF Tirol. Die Arbeiter auf der Tunnelbohrmaschine hätten kaum aufrecht gehen können, die meiste Zeit hätten sie gebückt werkeln oder gar kriechen müssen.

Bohrmaschine lief rund um die Uhr

Jahrelang waren sie mit Bohrmaschine Alesja verbunden. 24 Stunden pro Tag, die ganze Woche lang waren 15 Arbeiter am Kopf der Maschine. In Summe misst die Maschine 300 Meter Länge. An Spitzentagen hat sie sich über 60 Meter durch den Felsen gefressen. Mit dem Durchschlag hat Alesja ausgedient. Sie wird abgebaut und größtenteils verschrottet.

Durchschlag bei Wasserstollen im Stubai

Im April wurde im neuen Beileitungsstollen für die Kraftwerksgruppe Silz der Durchschlag gefeiert. Mit über 25 Kilometern Länge ist es laut TIWAG einer der längsten Wasserstollen weltweit.

Den neuen Beileitungsstollen sehen die Verantwortlichen als Prestigeprojekt. „Wir haben ihn vom Kühtai aus in eine Richtung durchgebohrt. Mit über 25 Kilometern ist es einer der längsten einseitig gebohrten Tunnel weltweit“, erklärt TIWAG-Projektleiter Klaus Feismantl. Mit dem Stollen erhöht der Landesenergieversorger die Leistungsfähigkeit der Kraftwerksgruppe Silz um 40 Prozent.

Über eine Milliarde Euro an Investitionen

Durch den Beileitungsstollen fließt ab dem Sommer Wasser aus sechs Gebirgsbächen aus dem Stubai- und dem Ötztal in freiem Gefälle bis in den neuen Speicher Kühtai. Dort wurde parallel zu den Arbeiten im Stollen ein neues Pumpspeicherkraftwerk errichtet. In Summe investiert die TIWAG für dieses Erweiterungspaket 1,1 Milliarden Euro.

Im Kühtai könne das Wasser aus dem Speichersee „über die beachtliche Fallhöhe von fast 1.500 Metern“ bis zum Kraftwerk Silz abgearbeitet werden, so Feismantl. Mit dem Pumpspeicher könne man wiederum auch Überschussstrom aus Sonne und Wind speichern und später damit wieder flexibel Strom erzeugen könne. Im Juni wird damit begonnen, den neuen Speichersee zu füllen. Er fasst insgesamt 31 Millionen Kubikmeter Wasser. Pro Jahr könne man ihn mit der vorhandenen Wassermenge zwei Mal anfüllen, heißt es von der TIWAG.

Die erste Füllung wird sich bis 2027 ziehen, hunderte Sensoren überwachen den Vorgang, um die Sicherheit zu gewährleisten. Das Kraftwerk soll noch in diesem Jahr angeworfen werden, der Vollbetrieb ist für 2027 geplant. Den Zeitplan habe man größtenteils eingehalten, betont Feismantl. In der Bauphase habe man aber immer wieder „Überraschungen“ bewältigen müssen.

Mit dem Wasser, das künftig durch den neuen Stollen ins Kühtai fließt, will man 216 Millionen kWh an Strom erzeugen. Das Megaprojekt soll laut TIWAG auch eine Rückversicherung für den Fall eines „Blackouts“ sein. Wie auch bei den Kraftwerken Kaunertal und Achensee sei ein „Schwarzstart“ möglich, also ein Neustart ohne Energie von außen.

Die Ableitung der Bäche für das Kraftwerk Kühtai wurde im Stubai jahrelang bekämpft. Auch durch die Proteste wurde letztlich das Ausmaß der Wasserableitungen verringert. In Summe wurden im hinteren Stubaital drei Wasserfassungen in die Berge gebaut – durch den Wegfall weiterer geplanter Ableitungen fielen sie teilweise auch größer aus.

Laut Bauleiter Passler werde „nur eine ökologisch vertretbare Menge“ Wasser entnommen. Zudem fließe im Winter kein Wasser durch den Beileitungsstollen. Die 1981 in Betrieb genommene Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz hatte zuvor die Speicher Finstertal und Längental umfasst.